Post by Martin Haselboeck
Professor at Musikuniversität Wien
Auch wenn es ein langer Text ist: freuen Sie sich mit uns über diese großartige Kritik in der Presse zur Auferstehung Händels : Musikverein: Der junge Händel in Rom und die Auferstehung Jesu Im Oratorium „La Resurrezione“ kämpften unter Martin Haselböck der Sopranist Bruno de Sá als Engel und der Bass Alexandre Baldo als Luzifer gegeneinander. Als „einen der ganz große Würfe eines jungen Genies“ bezeichnete Martin Haselböck Händels „La Resurrezione di Nostro Signor Gesù Cristo“ am Anfang des von ihm geleiteten Konzerts des Orchesters Wiener Akademie. Und tatsächlich bekam man im Goldenen Saal den Eindruck, dass der knapp über 20-jährige Händel hier in Rom für seine Zeit Wegweisendes komponiert hat. Vor allem fiel auf, wie präzise er die biblischen Figuren, die hier den Tod Jesu betrauern und später dessen Auferstehung feiern, in den Arien durch sehr unterschiedliche musikalische Mittel charakterisierte. So schuf er für den Engel, der anfangs mit dem Teufel streitet und später am leeren Grab die Frohbotschaft verkündet, viele weite, kantable Linien. Diese trug der Sopranist Bruno de Sá, der kürzlich schon am Theater an der Wien in „Alessandro nell’Indie“ durch seine verblüffend feminine Stimme auffiel, besonders beeindruckend vor: Sein heller Sopran blieb bei jeder noch so hohen Anforderung sicher und klar. Als gewollt krasser Gegensatz dazu wirkte Alexandre Baldo, der dem Lucifero passend diabolisches Auftreten und einen profunden und dennoch sehr flexiblen Bass verlieh. Die Figur der Maria Magdalena lässt Händel zwischen den Gefühlsstadien schwanken und unterstreicht dies durch chromatische Schärfung auf der einen Seite und freudige Bewegtheit auf der anderen. Die Sopranistin Ana Maria Labin hatte beides im Talon, während Altist Terry Wey als Maria Cleofe mit manchen Koloraturen zu kämpfen hatte, im Lyrischen aber schöne Linien schuf. Mit herrlichen Bögen und sattem Ton interpretierte Joan Terleira den Johannes. Haselböck ließ das Orchester Wiener Akademie die Schönheiten der reichhaltigen Partitur auskosten – mit Bedacht auf hohe Präzision ebenso wie auf Leichtigkeit. Und er hob beim Applaus zurecht Bläserinnen und Cembalist hervor.