Post by Markus Milz

Seit 25 Jahren an der Seite mittelständischer Geschäftsführer: mehr Umsatz durch besseren Vertrieb. 500+ Unternehmen, 800+ Vorträge.

Wollt ihr uns eigentlich komplett für blöd verkaufen? Diese Woche sind in der deutschen Politik gleich zwei Leute „zurückgetreten". Schauen wir mal genauer hin, was das heißt: Jens Spahn legt den Fraktionsvorsitz nieder - und bleibt Bundestagsabgeordneter. Macht rund 11.800 € Diät im Monat, plus 5.400 € steuerfreie Kostenpauschale obendrauf. Die Pensionsansprüche? Laufen munter weiter. Leihmutteraffaire, Spannungen zwischen Spahn und Merz, schlechte Umfragewerte der Union, Maskendeals, Villa-Kredite, Spenden-Dinner und die eh geplante größere personelle Neuaufstellung der Union haben sicherlich nichts mit Spahns "Rücktritt" zu tun. Kai Wegner „verzichtet" - auf die erneute Spitzenkandidatur. Regierender Bürgermeister bleibt er. Bezüge: rund 18.500 € im Monat. Unverändert. Interessanterweise standen weitere Enthüllungen über seine Kommunikation während des Stromausfalls unmittelbar bevor. Lustiger Zufall. Das sind keine Rücktritte. Das sind Personalrochaden mit Pressemitteilung. Man ist dem zuvorgekommen, was ohnehin passiert wäre - und hat es „Verantwortung übernehmen" genannt. Spahn schreibt zum Abschied, sein privates Familienglück sei „nicht vereinbar mit meinem politischen Amt". Rührend. Nur: mit dem Amt, dem Geld und der Altersversorgung ist es offenbar bestens vereinbar. Aufgegeben wurde der Titel. Nicht die Zahlungen. Aber der eigentliche Hammer: In genau dem Schreiben, mit dem Spahn sich aus dem Amt verabschiedet, ermahnt er den Rest der Republik, doch bitte „menschlich im Ton" zu bleiben. Die „zunehmende Unerbittlichkeit in der öffentlichen Auseinandersetzung" habe ihn nachdenklich gemacht. Übersetzt: Nicht das eigene Verhalten war das Problem - sondern der Ton derer, die es kritisiert haben. Wer selbst das Glaubwürdigkeitsproblem produziert und dann zum Abgang die anderen über Anstand belehrt, betreibt Täter-Opfer-Umkehr mit Briefkopf. Das ist die eigentliche Frechheit. Und ehrlich: Aufgefallen wäre das alles kaum - hätte unsere Nationalmannschaft nicht freundlicherweise schon im Sechzehntelfinale gegen Paraguay die Koffer gepackt. Und der ÖRR nicht - trotz 9 Mrd. € Beitragsgebühren - die Übertragung der WM-Spiele Magenta TV überlassen. Perfektes Timing für eine unbequeme Woche. War bestimmt nicht geplant. 😉 Der Punkt ist ernst: In jedem Familienunternehmen, das ich kenne, funktioniert Verantwortung genau andersherum. Wer einen Posten abgibt, gibt auch die Bezüge ab. „Ich trete auf Grund persönlicher Verfehlungen zurück, behalte aber Gehalt, Firmenwagen und Pension" - das würde kein Gesellschafter durchgehen lassen. Doch die eigentlich gute Nachricht: Wir merken den Unterschied noch. Ein Land, in dem die Bürger den Etikettenschwindel durchschauen, ist nicht zynisch - es ist wach. Genau diese Wachheit ist das, was echte Führung irgendwann erzwingt. Hoffen wir, dass die Wachheit anhält! Also, liebe politische Kommunikationsprofis: Traut uns ruhig etwas mehr Verstand zu! Seht ihr es anders? Happy Sunday!

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