Post by Marion Andrea Müllerschön

IT-Systemelektronikerin. Gerne einen Kaffee ☕️??

Kein Vergessen. Am 16. Juni 1991 wird Agostinho Comboio in Friedrichshafen von einem Neonazi ermordet. 34 Jahre alt. Aus Angola. Verheiratet. Mehr wissen wir kaum. Nicht, weil es nichts zu erzählen gäbe – sondern weil ihm die Zukunft genommen wurde. Was wir stattdessen minutiös kennen: den Ablauf einer rassistischen Eskalation, die keine war. Sondern Alltag. Neonazis treffen sich, saufen, beleidigen Passant*innen. Niemand:in greift ein. Niemand:in stoppt sie. Niemand:in hält sie auf. Abends im Lokal: ein Rempler, eine Entschuldigung. Zivilisation, könnte man meinen. Doch die Täter*innen brauchen keinen Anlass. Sie brauchen ein Feindbild. Die Gruppe hetzt. „Lass dir das nicht gefallen.“ Ein rassistisches Weltbild kippt nicht... es funktioniert. Der Täter folgt der Logik seiner Ideologie. Er fordert Agostinho Comboio nach draußen. Drei Stiche. Einer ins Herz. Und dann beginnt das eigentliche Versagen. Ein Täter, in der Szene bekannt. Eine Tat, in der Szene gefeiert. Ein Gericht, das entpolitisiert. „Reifeverzögerung“. Kein politisches Motiv. Fünf Jahre Haft. Fünf Jahre !!! Ich bin bis heute Fassungslos darüber. Für einen Mord, der aus einem geschlossenen Weltbild heraus begangen wurde. Für eine Tat, die ohne Rassismus nicht existieren würde. Für ein Leben, das ausgelöscht wurde, weil es im Weltbild der Täter*innen keinen Wert hatte. Und der Staat? Diskutiert. Relativiert. Braucht zwei Jahre, um das Offensichtliche anzuerkennen: rechte Gewalt. Das Problem ist nicht nur der Täter. Das Problem ist eine Gesellschaft, die sich weigert, Täter*innen ernst zu nehmen, solange sie sich selbst nicht betroffen fühlt. „Einzelfall.“ „Jugendsünde.“ „Alkohol.“ Nein. Das ist organisierter Hass. Sozialisiert, bestätigt, ausgelebt. 🤐Wer das entpolitisiert, macht sich mitschuldig. 🤨Wer rechte Gewalt kleinredet, schützt nicht die Gesellschaft... sondern ihre Angreifer*innen. 😬Wer immer noch so tut, als käme das alles überraschend, hat nichts verstanden. Oder will nichts verstehen. 35 Jahre später stehen wieder Initiativen, Aktivist*innen und Engagierte da und erinnern. Während andere sich eingerichtet haben im bequemen Vergessen. Während rechte Gewalt weiterhin verharmlost, relativiert, statistisch verwaltet wird. Erinnerung allein reicht nicht. Erinnerung ohne Konsequenz ist Selbstberuhigung. Kein Vergessen heißt: benennen, was ist. Kein Vergessen heißt: Strukturen angreifen, nicht Symptome verwalten. Kein Vergessen heißt: aufhören, Täter*innen zu entschuldigen und anfangen, Betroffene zu schützen. Agostinho Comboio ist kein Jahrestag. Er ist ein Urteil. Über damals. Und über heute. #KeinVergessen #AgostinhoComboio #RechteGewalt #Rassismus #Erinnerungspolitik #DemokratieSchützen #NieWieder

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