Post by Marcel Meyer
Digital Shaper 2026 | Mr. Digital Graubünden 🏔️🐐 | Geschäftsführer GRdigital | Leiter GRdigital Fachstelle Tourismus | Dozent | Speaker | Podcaster | Familienvater
Der renommierteste Tourismusforscher der Schweiz tritt ab und würde heute lieber Private Equity machen als Tourismus. Was sagt das über die Branche? Genau das hat Thomas Bieger (Universität St.Gallen (HSG), School of Management SoM-HSG) zum Abschied im Interview bei der htr hotelrevue (Gaston Haas) gesagt. Wäre er heute 30, ginge er vielleicht nicht in den Tourismus. Sondern dorthin, wo die grösste Dynamik herrscht. Rohstoffhandel. Private Equity. Der Mann, der das touristische Bildungssystem der Schweiz mitgeprägt hat, sieht die Energie heute woanders. Das ist kein Abgesang. Das ist eine Diagnose. Und sie trifft auch den Tourismus im Kanton Graubünden mitten ins Herz. Denn Bieger nennt klar, was die wichtigste Aufgabe der Branche ist: Produktivität. Nicht mehr Gäste. Nicht mehr Logiernächte. Nicht mehr Marketingbudget. Produktivität. Sein Rezept ist unbequem konkret: Prozesse radikal neu denken Automatisierung ernst nehmen Robotik ernst nehmen Und trotzdem? Auch er kommt zum Schluss. Die Technik ist längst da. Was fehlt, ist das Mindset. Touristische Organisationen sie scheitern selten an der Technologie. Sie scheitern an der Frage, ob sie ihre eigenen Prozesse und Geschäftsmodelle wirklich infrage stellen wollen. Vorletzte Woche hatte ich ein Telefonat mit einem Bündner Leistungsträger. KI sei «nichts für uns hier oben». Fünf Minuten später: Klage über fehlendes Personal. Über Margen, die jedes Jahr dünner werden. Beides im selben Gespräch. Ohne den Widerspruch zu bemerken. Die unbequeme Wahrheit ist: Genau das meint Bieger mit «Groupthink» in KMU-Branchen. Wir reden über Tradition, wenn wir Produktivität meinen müssten. Wir reden über Ausbau, wenn wir über Effizienz reden müssten. Wir feiern Logiernächte, während die spannenden Jobs für junge Leute woanders entstehen. Meine Überzeugung: Wir verteidigen gerade lieber das Gewohnte, als das Unbequeme anzupacken. Und nennen es Tradition. Haben dadurch aber kaum eine Zukunft. 🙏 Danke, Thomas Bieger, für Jahrzehnte des Vorausdenkens und für ein Abschiedsinterview mit mehr Klartext als die meisten Strategiepapiere unserer Branche. Wenn selbst der Tourismusforscher heute lieber in Private Equity ginge: Strahlen wir im Bündner Tourismus zu wenig Dynamik aus? Oder sehe ich das zu hart? Was müsste sich ändern, damit der 30-Jährige Thomas Bieger heute wieder zuerst an den Tourismus denkt?