Post by Lennart Eltzholtz
Managing Director Sana GPO I Author & Editor I Podcast Host HealthCareBrain
„Nicht das beste Knie-Implantat wird künftig den Markt bestimmen – sondern das stärkste Ökosystem.“ Herzlichen Dank an Ulrich Nöth, Prof. Dr. med. habil., MHBA und Prof. Dr. med. Michael Clarius für die Einladung und die hervorragende Organisation des Fast-Track Endoprothetik 2026. Es war mir eine große Freude, gemeinsam mit Benjamin Becker und Carsten Schaulinski über die Zukunft der Endoprothetik zu diskutieren. Mein Impuls aus Sicht des Klinikeinkaufs war bewusst strategisch. Die Zahl der Hüft- und Knieendoprothesen wird in den kommenden Jahrzehnten deutlich steigen. Gleichzeitig stehen Krankenhäuser unter wachsendem Effizienzdruck. Ohne einen erheblichen Produktivitäts- und Effizienzsprung wird diese Entwicklung kaum zu bewältigen sein. Dabei stellt sich eine spannende Frage: Wo investiert die Branche heute eigentlich ihr Kapital? Die Antwort lautet immer häufiger: Robotik, Software und digitale Operationsplattformen. Der Wandel erinnert stark an die Automobilindustrie. Früher wurde darüber diskutiert, wer den besten Motor baut. Heute entscheidet zunehmend, wer die leistungsfähigste fahrende Plattform mit der besten Software bietet. Ein ähnlicher Paradigmenwechsel könnte auch in der Endoprothetik bevorstehen. Vielleicht wird künftig nicht mehr allein das beste Implantat über den Erfolg entscheiden, sondern das Zusammenspiel aus Robotik, Daten, Software und klinischen Workflows. Ein weiteres Beispiel kennen wir alle aus dem Alltag: Apple. Die besondere Stärke liegt nicht in einem einzelnen Gerät, sondern in einem perfekt integrierten Ökosystem. iPhone, Mac, Apple Watch und AirPods entfalten ihren größten Nutzen erst im Zusammenspiel. Gleichzeitig zeigt dieses Modell aber auch die Kehrseite: Der Wechsel in andere Systeme wird zunehmend schwieriger. Genau diese Entwicklung beobachten wir auch in der Medizintechnik. Robotikplattformen schaffen enorme Chancen für mehr Qualität, Standardisierung und Effizienz. Gleichzeitig müssen wir darauf achten, dass Innovation nicht zu geschlossenen Plattformen und neuen Abhängigkeiten führt. Mein Fazit: Die Zukunft der Endoprothetik wird möglicherweise weniger durch bessere Implantate bestimmt als durch die Kontrolle über digitale Operationsplattformen und die damit verbundenen Daten. Die eigentliche Herausforderung wird sein, Innovation und offene Ökosysteme miteinander in Einklang zu bringen. Vielen Dank an alle Beteiligten und an das interessierte Publikum für den inspirierenden Austausch.