Post by Karsten Nödler

Scientific Staff bei TZW: DVGW-Technologiezentrum Wasser

𝗚𝗲𝘀𝘂𝗻𝗱𝗵𝗲𝗶𝘁𝘀𝗽𝗿ä𝘃𝗲𝗻𝘁𝗶𝗼𝗻 𝗶𝘀𝘁 𝗮𝘂𝗰𝗵 𝗚𝗲𝘄ä𝘀𝘀𝗲𝗿𝘀𝗰𝗵𝘂𝘁𝘇! Gestern hatte ich das große Glück, einem sehr interessanten wie kurzweiligen Online-Webinar des Centre for Planetary Health Policy (CPHP) beiwohnen zu dürfen. Dort referierten Oliver Huizinga und Karim Abu-Omar unter dem Titel „Präventionspolitik auf dem Prüfstand — Erkenntnisse aus dem Public Health Index 2025“ über ihre Erkenntnisse. Schade, dass weder die angekündigte Frau Janssen (Mitglied des Deutschen Bundestages und Berichterstatterin für Prävention für die CDU/CSU-Fraktion) noch eine fachliche Vertretung teilnehmen konnte. Der Dialog zur Präventionspolitik hätte von zusätzlichen politischen Perspektiven sicher profitiert... Deutschland bleibt im neuen Public Health Index (PHI) 2025 leider deutlich hinter seinen europäischen Nachbarn zurück. Das hat mich erschreckt und war mir in diesem Ausmaß wirklich nicht bewusst. Trotz höchster Gesundheitsausgaben landet die 𝗕𝘂𝗻𝗱𝗲𝘀𝗿𝗲𝗽𝘂𝗯𝗹𝗶𝗸 𝗮𝘂𝗳 𝗥𝗮𝗻𝗴 17 𝘃𝗼𝗻 18 und verfehlt vor allem bei Tabak‑, Alkohol‑ und Ernährungspolitik zentrale WHO‑Empfehlungen. Besonders wirkungsstarke Maßnahmen wie Werbebeschränkungen, gesundheitsorientierte Steuern oder Verkaufsregulierungen werden hierzulande kaum genutzt. Während Länder wie Finnland, Irland oder Großbritannien konsequent auf strukturelle Prävention setzen, bleibt Deutschland bei zentralen Risikofaktoren im europäischen Vergleich eines der Schlusslichter. Lediglich im Bereich Bewegung erreicht es das untere Mittelfeld, aber das ist zu wenig angesichts steigender Belastungen durch nichtübertragbare Krankheiten. Der PHI zeigt klar: Ohne ambitionierte Politik bleibt Deutschlands Präventionspotenzial ungenutzt. 𝗘𝗳𝗳𝗲𝗸𝘁𝗶𝘃𝗲 𝗚𝗲𝘀𝘂𝗻𝗱𝗵𝗲𝗶𝘁𝘀𝗽𝗿ä𝘃𝗲𝗻𝘁𝗶𝗼𝗻 𝗶𝘀𝘁 𝗮𝗯𝗲𝗿 𝗮𝘂𝗰𝗵 𝗚𝗲𝘄ä𝘀𝘀𝗲𝗿𝘀𝗰𝗵𝘂𝘁𝘇! Weniger Erkrankungen bedeuten weniger medikamentöse Therapien und damit gelangen auch weniger Wirkstoffe und Metaboliten in unsere Gewässer. Heute finden wir dort komplexe Stoffgemische, deren Wirkung auf die Wasserorganismen kaum abschätzbar ist. Prävention wirkt also doppelt: Sie schützt Menschen und reduziert die Belastung unserer aquatischen Ökosysteme. Und am Ende profitieren wir erneut, denn einige dieser Stoffe sind auch für die Trinkwasserversorgung relevant. Mit weniger Einträgen sinkt auch der Aufwand für eine aufwendige und teure Aufbereitung! Insgesamt war das Webinar für mich ein echtes Aha‑Erlebnis. Mir war dieser Zusammenhang bislang ein blinder Fleck. Wenn ich in Vorträgen und Artikeln zum Punkt der zukünftigen Gewässerbelastung durch Pharmakarückstände komme, argumentiere ich meist über demografische Verschiebungen und steigende Erkrankungszahlen. Jetzt ist mir klar geworden, dass natürlich auch die unzureichende Präventionspolitik in Deutschland ein zentraler Treiber dieser Entwicklung ist. Fast schon peinlich, aber besser spät als nie. Foto: DVGW / Roland Horn

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