Post by Julian Eimert-von Tettenborn
Gründer & Geschäftsführer von interAKUT® | Qualitätsdienstleister für intensivpädagogische Einzelbetreuungen | Geschäftsführer rausWERTs UG | Bundesweite Kriseninterventionen
Ein Kaffee über den Wolken. Und das Wissen, dass es das letzte Mal ist. Heute bin ich mit meinem Großvater geflogen. Mitte neunzig. Von Hamburg nach Stuttgart, in ein Heim, das ihn nun tragen soll. Es ist ein Tag mit einem leisen Ton darunter, den man nicht wegatmen kann: Vieles davon geschieht heute zum letzten Mal. Auf dem Foto sieht man es kaum. Ein enger Flieger, ein Klapptisch, ein Pappbecher, ein bisschen Essen. Neben mir hilft ein vertrauter Mensch meinem Großvater beim Tablett – ganz selbstverständlich, ohne Worte, einfach weil es dazugehört. Er, konzentriert, würdevoll, bei sich. Und ich mit einem Lächeln, in dem mehr steckt, als ein Bild zeigen kann. Dieser Mann hat seine Selbstständigkeit direkt nach dem Krieg begonnen. Als Grafiker, mit meinem Vater als kleinem Kind im Arm. Vier Zimmer, 85 Quadratmeter, zwei Söhne, eine eigene Agentur, ein ganzes Leben. 56 Jahre dieselbe Wohnung. Jahrzehntelange Freundschaften. Ein aufrechtes, gestaltetes Leben. Und heute darf ich ihn ein Stück begleiten. Was mich an diesem Tag bewegt hat: Damit dieser stille Moment über den Wolken überhaupt möglich war, hat im Hintergrund vieles ineinandergegriffen. Menschen am Gate, an der Gepäckabfertigung, im Bordservice. Eine Mobilitätsgarantie, die einfach funktioniert. Abläufe, die man in seiner verletzlichsten Stunde gar nicht bemerken soll – weil sie so gut sitzen. Und genau das ist der Punkt. Die beste Struktur macht sich unsichtbar – damit das Menschliche sichtbar bleiben darf. Damit ein Enkel wirklich beim Großvater sein kann. Statt zu organisieren. Statt zu improvisieren. Einfach nur: da sein. Einen Kaffee trinken. Die Hand reichen. Das nehme ich mit von diesem Tag. Für die Familie. Und für alles, was wir bauen.