Post by Julia Schramm

📚 Autorin 🍋 Politik- und angehende Literaturwissenschaftlerin 🤺 Lehrerin

Das Aus der DFB-Elf bei der WM und was es über Deutschland sagt. Meine erste WM ist die in den USA. 1994. Als Deutschland gegen Bulgarien rausfliegt. Als Italien gegen Brasilien verlor und Roberto Baggio den Elfmeter verschoss. Da lerne ich, was Fußball kann. Wie simpel der Sport ist. Wie dramatisch. Seitdem liebe ich die Fußball-WM. Es fesselt die ganze Welt, irgendwie. Und es verändert den Sport. Und Gesellschaften. Sie spiegelt Mentalitäten und Politik wider. Es ist so viel mehr als nur Fußball. Es ist Spiele. 2000 bin ich bei der EM im Stadion. In Rotterdam. Deutschland verliert gegen die B-Mannschaft Portugals. Noch vor Ronaldo. Die Spieler stehen sinnlos im Weg rum. Meiden die Zweikämpfe. Ich erinnere mich, dass wir Thomas Linke anschrien, dass er sich bewegen soll. Der Thomas Linke, der mir letztens in einem Schaubild angezeigt wurde von Spielern, die wieder zurück kommen sollen. Deutschland schied aus. 2002 spielen sie schlecht. Nur einer hat überhaupt einen Willen zu gewinnen: Olli Kahn. Der treibt das Team bis ins Finale, wo gegen Brasilien deutlich Schluss ist.  Ich könnte die Linie ewig ziehen. Erst 2014 spielten sie ernsthaft guten Fußball. 20 Jahre nachdem ich meine Leidenschaft entdeckt hatte. Das Spiel gegen Portugal machte nach 2 Minuten klar: die werden Weltmeister. Weil sie wollen. Und das ist es was fehlt: der Wille. Die Spieler sind da. Die Fähigkeiten. Alles.  Aber es fehlt die Mentalität, das Gewinnen wollen. Es wird gejammert und gelabert, aber nicht geschossen. Ewig stehen sie hinten drin und überlegen wie sie Tore schießen, statt sie zu schießen. Das 7:1 gegen Curacao war ein schlechtes Spiel. Der Unterschied zu 2002? Die anderen Teams haben aufgeholt. Und ehrlich: warum sollten sie wollen? Die Spieler. Ihr Kapitän ist ein riesiges Manchild. Der Trainer scheint nicht flexibel zu sein und stellt immer wieder die gleiche nicht-funktionale Gruppe auf. Alle sind Schuld, nur nicht der Trainer. Es gibt keinen der Spieler, der das Team antreibt, der Willen zeigt. Die Experten sind bräsig und arrogant. Ein Schweinsteiger, mitten in der Midlifecrisis, der meint, die afrikanischen Länder hätten keine Taktik. Offensichtlich schon. Denn die Wahrheit liegt halt auf dem Platz. Es ist wie mit der Wirtschaft und China: Deutschland hat so lange China belächelt, bis es an Deutschland vorbei gezogen ist. Es sind die Ingenieure, die lieber auf Facebook Frauen beleidigen statt kreativ zu sein. Es ist der Kanzler, der mit aggressiver Mittelmäßigkeit die Gesellschaft in den Wahnsinn treibt. Deutschland ist immer schon mit schlechtem Fußball durchgekommen, egal welche Hautfarbe oder Nachnamen die Spieler hatten. Aber die Welt ist nicht mehr von gestern. Sie verändert sich. Und Deutschland mit seiner bräsigen Arroganz, der ignoranten Gemütlichkeit fliegt dann eben raus. Oder verliert die Abstimmung über den UN-Sitz. Oder den Anschluss an die Weltwirtschaft. Oder den Kampf gegen die Hitze. Auch eine Form von Anti-Nationalismus.