Post by John Felix Schütze
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2 von 20. Das ist meine aktuelle Pünktlichkeitsquote (meistens Verspätungen zwischen 40min und 118min) bei der Deutschen Bahn – und während ich das hier schreibe, sitze ich im Regen auf Bahnsteig 14 in Leipzig. (21:02 Uhr) Mein Arbeitstag hat heute früh um 07:00 Uhr begonnen. Hinter mir liegt eine IC-Odyssee über Magdeburg. Ein Tag geprägt von Zugausfällen und nun der klassischen „Verspätung des Personals“ beim Anschluss-ICE nach Dresden. Als ich morgens dem Schaffner für den (zweiten) pünktlichen Zug dankte, legte dieser nur den Finger auf den Mund: „Bloß nicht laut sagen, sonst ist es ein schlechtes Omen.“ Er sollte recht behalten. Die Rückfahrt ist ein einziges Desaster. Als Führungskraft im Management hinterlässt mich dieser Zustand schlichtweg fassungslos. Drei Dinge, die sich radikal ändern müssen: Die Inflation der Entschuldigung: Auf jedem Bahnhof, aus jedem Lautsprecher tönt es permanent: „Wir bitten um Entschuldigung.“ Wenn eine Floskel jedoch tausendfach automatisiert heruntergebetet wird, verliert sie jeden Wert. Sie repariert keine verpassten Termine und bringt keine Lebenszeit zurück. Absurde Business-Realität: Letzte Woche ein wichtiges Kundenmeeting in Hannover. Mein Kunde reiste aus Hamburg an, ich aus Dresden. Beide Züge hatten unabhängig voneinander exakt 50 Minuten Verspätung. Dass ein Meeting im Jahr 2026 nur stattfindet, weil sich die Verspätungen zweier Züge zufällig synchronisieren, ist an Absurdität nicht zu überbieten. Die Kapitulation vor der Zukunft: Bahnfahren ist eigentlich eine großartige, umweltfreundliche Sache. Doch während andere Länder zeigen, wie moderne Schienensysteme funktionieren, verschieben wir das Jahrhundertprojekt „Deutschlandtakt“ offiziell um rund 40 Jahre nach hinten – auf 2070. In der freien Wirtschaft würde ein Management bei solchen KPIs längst nicht mehr zur Debatte stehen. Mein konstruktiver Appell für ein radikales Umdenken: Preisanpassung an die Realität: Wer systematisch nur 50 % (oder weniger) Leistung liefert, darf nicht 100 % des Preises verlangen. Es braucht ein automatisiertes, dynamisches Rabattsystem . Abschied vom Fake-Fahrplan: Schaffen Sie die starren Fahrpläne im Fernverkehr ab, die ohnehin nicht gehalten werden. Massive Investitionen. Eine neue Deutschland Agenda. Mein ausdrückliches Mitgefühl gilt dem Zugpersonal an der Front, das diesen täglichen Mangel verwalten muss. Aber an die Konzernspitze gefragt: Erleben Sie diese zermürbende Realität eigentlich auch selbst? @Dr. Evelyn Palla @Deutsche Bahn #DeutscheBahn #Infrastruktur #Management #ZukunftDerMobilität #Wirtschaftsstandort #Deutschlandtakt #LeipzigHauptbahnhof