Post by Jochen Oberlack

Ich kann die Geschichte auch andersrum erzählen.

Rockidylle unterwegs. Vorsicht: Nur für Nerds! Tatort: Duisburg, Ruhrort. Wenn Sie nach Duisburg müssen……fahren sie lieber nach Essen! Die Heimatstadt des Meidericher SV versprüht einen recht spröden Charme, euphemistisch ausgedrückt. Mir liegt es natürlich fern Duisburger: innen zu brüskieren, doch das schönste an der Stadt ist vermutlich die Autobahn nach Moers. Trotzdem hat die Schimanski-Stadt auch gute Seiten, wenn man nicht gerade Autofahrer ist. Parken ist hier ein teures Vergnügen und offenkundig sind die Einheimischen nicht darauf eingerichtet, dass Ortsfremde hier länger verweilen. Kommen wir zu des Pudels Kern: Der ernsthafte Digger kann auf gelegentliche Besuche der bezaubernden Innenstadt keinesfalls verzichten, denn die Plattenladen-Dichte ist höher als zum Beispiel in Düsseldorf. Die Beute meines Streifzuges ist entsprechend beachtlich, und fast hätte ich sogar nach etwas zu essen bekommen! Immerhin hat es zu einem feinen Kochbuch gereicht, welches mir in einem Geschäft namens Onkel Stereo von einer sehr netten Dame angeboten wurde. Dazu habe ich Bookmarks in Form von Cassetten erstanden und beinahe noch eine The Fall CD. Die habe ich dann aber doch stehenlassen. Tonträger hatte ich anderswo schon reichlich gefunden, allesamt aus der Gebrauchtwaren-Abteilung. Über die sagenhafte Brüllwald LP von Rolf Schulz muss ich demnächst gesondert berichten. Dazu gab es ich Album der 10cc-Vorgänger Hotlegs, eine LP des Outlaws-Offshoots „Henry Paul Band“ (für Nerds: still sealed!!) und ein paar deutsche Preziosen: Camilla Motor für 3 Euro, und eine LP von The Days, die in den frühen Achtzigern mit Moderator Wolfgang Neumann auf dem WDR-Rockschiff schipperten. Da kann man nur sagen, remember the Days. Vinyl-Höhepunkt ist sicher die LP von Andy Lumpp, der mit Jumpy Zerlett, Kurt Billker und dem Stürzelberger „Purzel“ Jürgen Beck die sagenumwobene Jazzrock-Band Syringa bildete. Mehr dazu in meinem demnächst erscheinenden Buch Rockidylle. Singles – also die Schallplatten meine ich, gab es auch, und zwar vom Feinsten. Die Honeydrippers Seven Inch zu Sea Of Love hat sogar ein Product-Sheet des Plattenlabels. Strapps waren eine Gillan-Vorgänger-Band aber 1977 auf verlorenem Posten mit ihrem phantastischen Hard-Rock - mitten in der Punk-Explosion. Zur Abrundung gab es noch vier CDs, allesamt phantastisch. Die Flickknife-Ausgabe vom Hawkfest glänzt mit Live-Tracks von Tubilah Dog, deren einziges Space Rock Album von 1998 eine echte Rarität ist, und gleichzeitig eine der besten Platten des Genres überhaupt. Ich muss es wissen, meine eigene Space Rock Band Scarlet Utopia war nämlich auch nicht übel, aber ich schweife ab. Dazu gab es eine Japan-Pressung der Point Blank LP als CD-Wiederveröffentlichung und ein Album von Dave Greenslade zu Terry Pratchetts Scheibenweltlern. Fazit: Duisburg ist doch eine Reise wert; das nächste mal bediene ich mich aber eines Fremdenführers und frage Claus Knipschild. Schöne Grüße vom Rhein!

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