Post by Jean-Peter Lange

Heilpraktiker und Referent

"Ukrainische" Drohnen haben eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Krim angegriffen und zerstört: das Panorama "Verteidigung Sewastopols 1854-1855", das der große Schlachtenmaler Franz Roubaud (französische Eltern, russische Seele) Anfang des 20. Jahrhunderts schuf. Architekt des nun beschädigten Gebäudes für das Rundgemälde war ein Deutschbalte: Friedrich Oscar Enberg. Auch eine interessante Lebensgeschichte: Er diente als Ingenieur beim Militär dem Zaren und den Sowjets und starb im Jahr 1937 natürlichen Todes in Jalta. Mit großer Wahrscheinlichkeit war es ein gezielter Angriff – das Panorama ist von einem großen Park umgeben, militärische Objekte gibt es da schlicht nicht. Das Gebäude brannte aus, das Kunstwerk, das am 25. Juni 1942 nach einem deutschen Artilleriebeschuss schon einmal von Flammen bedroht war, damals aber von Soldaten und Seeleuten unter Einsatz ihres Lebens größtenteils gerettet werden konnte, ist für immer verloren. Die russische Militärhistorische Gesellschaft verspricht, es zu rekonstruieren, doch wie bei dem berühmten Bernsteinzimmer wird das neue Panorama eben ein neues sein, eine Nachahmung. Der Verlust des Originals, dazu noch eines mit dieser Geschichte, ist unwiederbringlich und eine Tragödie. "Ja, die Ukraine terrorisiert den Donbass und die Krim. Tagtäglich. Auch nach zwölf Jahren lässt sie die Menschen dort nicht in Ruhe leben, hat ihnen das Wasser abgedreht, beschießt sie mit Drohnen und Raketen, tötet sie. Aber das Krimkrieg-Panorama? Ach kommt, ich habe sogar Zweifel, dass die Drohnenführer Kiews wissen, dass es dieses gibt – von der Kenntnis seiner Bedeutung für die russische Erinnerung ganz zu schweigen. Deren Metier ist mehr die Zerstörung von Kirchen, Studentenwohnheimen und Lenin-Denkmälern." Dagegen sei der Krimkrieg in Paris und London nicht vergessen: "Anders als in Kiew ist in Paris und London die Erinnerung an jenen Krimkrieg des 19. Jahrhunderts immer noch präsent. In Paris heißen einer der zentralen Boulevards und eine der zentralen Metrostationen "Sebastopol". Die Benennung erinnert an die Belagerung der russischen Stadt, die den Franzosen als eine der größten Schlachten ihrer Geschichte gilt, und die auf dem nun zerstörten Panorama verewigt war.  Und die Briten? Nun, deren alles zerfressende Russophobie ist ein besonders irrationales Phänomen. Der Krimkrieg war der einzige in der bisherigen Geschichte der Briten und der Russen, in dem sie gegeneinander fochten – und die Briten waren die Angreifer. [...] Die heroische Verteidigung Sewastopols – elf Monate lang hielten die Verteidiger gegen überlegene franko-britische Truppen stand – hatte so an den Kräften der Aggressoren gezehrt, dass von einem weiteren Vormarsch nach Russland hinein keine Rede mehr sein konnte. Formal ein Sieg – faktisch endete der "Nullte Weltkrieg" mit einem Unentschieden. Und das werden die "edlen Herren" in ihren zerknitterten Anzügen den Russen niemals verzeihen."