Post by Jan Zinal
Principal & Berater @eberty partners I Strategie-und Transformationsberatung für Mobilität, Energie und Logistik I WHU I HSG
𝗪𝗲𝘁𝘁𝗯𝗲𝘄𝗲𝗿𝗯 𝗮𝘂𝗳 𝗸𝗮𝗽𝘂𝘁𝘁𝗲𝗻 𝗚𝗹𝗲𝗶𝘀𝗲𝗻 Italo will ab 2028 die Deutsche Bahn angreifen. Das wird Tickets billiger machen — aber nicht die Bahn besser. Ab Ende Juni entscheidet die Bundesnetzagentur über langfristige Trassenrechte für Italo in Deutschland. CEO Gianbattista La Rocca hat sein Versprechen bereits formuliert: Tickets 20 Prozent unter DB-Niveau, bis zu 40 Prozent Preisrückgang im Markt, 3,6 Milliarden Euro Investition, 56 Städte. Die politische Debatte dreht sich um Regulierung, Trassenvergabe und die Frage, ob der Staat seinen Incumbenten schützt. Sie dreht sich um das Falsche. Der entscheidende Unterschied zwischen dem italienischen Erfolgsmodell und dem deutschen Vorhaben wird dabei konsequent ausgeblendet. In Italien fährt Italo auf einem dedizierten Hochgeschwindigkeitsnetz, das parallel zur Bestandsinfrastruktur gebaut wurde — separates Netz, separate Kapazität. Der Wettbewerb zwischen Italo und Trenitalia fand auf Augenhöhe statt. In Deutschland fährt Italo auf denselben Gleisen wie der ICE. Gleisen, für die DB-Chefin Evelyn Palla 80 Prozent der Verspätungen als infrastrukturbedingt ausweist, mit einem Sanierungsstau von über 45 Milliarden Euro. Ein Italo-Zug auf der Strecke München–Hamburg ist kein schnellerer Zug. Er ist ein anderes Logo mit demselben Problem. Das bedeutet nicht, dass der Markteintritt folgenlos bleibt. Wettbewerbsdruck auf Betreiberebene wirkt — und das ist bereits zu beobachten. Die DB hat im April Preiserhöhungen für zwölf Monate ausgesetzt, vor dem ersten Italo-Zug. Das italienische Beispiel zeigt, was folgen kann: Ticketpreise sanken dort empirisch um 15 bis 20 Prozent, das Angebot auf Schnellstrecken verdoppelte sich, zwischen Rom und Mailand fährt heute zeitweise alle zehn Minuten ein Zug. Günstigere Tickets, höhere Frequenz, besserer Bordservice — das werden deutsche Bahnkunden bei einem erfolgreichen Markteintritt spüren. Pünktlichkeit wird nicht darunter sein. Beides ist infrastrukturbedingt und trifft Italo auf deutschen Gleisen genauso wie die DB. Was La Rocca kontrollieren kann — Rollmaterial, Serviceklassen, Buchungssysteme — wird er liefern. Was er nicht kontrollieren kann, ist das Netz, auf dem seine Züge fahren. Das limitiert beide Betreiber gleichermaßen. Wettbewerb auf Betreiberebene ist kein Ersatz für Investitionen in die Infrastruktur. Die Bundesnetzagentur-Entscheidung der kommenden Wochen ist nicht der Abschluss einer Liberalisierung — sie ist, bestenfalls, ihr Beginn. Die Bahn wird ab 2028 billiger. Besser wird sie erst, wenn das Netz es ist. Quellen: - Fokuhl, J., & Schlautmann, C. (2026, Juni 17). „Wir fordern Regeln, die echten Wettbewerb ermöglichen." Handelsblatt. https://lnkd.in/djURGDJT - Giordano, A. (2026, Juni 24). Neue Konkurrenz für ICE: Wie Bahnfahrer vom Italo-Einstieg profitieren könnten. https://lnkd.in/dkV29EXg