Post by Jan-Uwe Pettke
Privater Account
Wer beweist mir, dass ich falsch liege? Im letzten Jahr schrieb das World Economic Forum einen Bericht über den Geopolitical Risk Officer [1], den ich schon nicht nachvollziehen konnte [2]. Nun kommt McKinsey & Company mit einer ähnlichen Räuberpistole um die Ecke [3]. Ich bin der Auffassung, dass geopolitische Risiken als Beratungsfeld ein ähnlich tot gerittenes Pferd sind, wie es Lean Management & Just-in-time Lieferketten eigentlich auch schon immer waren. Ich will nicht falsch verstanden werden. Prozessoptimierungen haben ihre Daseinsberechtigung. ABER das Maß der Prozessoptimierung kommt mit Opportunitätskosten. Je optimaler meine Prozesse auf Kostenreduzierung optimiert sind, desto stärker versagen sie in nicht optimalen Momenten. Nach meinem Verständnis liegen die Wurzeln für Lean Management & Just-in-time Lieferketten bei Henry Ford und Kiichiro Toyoda, Taiichi Ohno, und andere Manager bei Toyota. Die USA konnten aufgrund ihrer geostrategischen Insellage solche Konzepte gut umsetzen. Und auch Japan konnte nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und einer damit einhergehenden Neutralität gut diese Konzepte einführen. Auch alle anderen westlichen Staaten konnten unter dem Schirm der Pax Americana diese Prozesse so weit auf die Spitze treiben, dass die jeweilen Volkswirtschaften Lean und Just-in Time waren. Mit dem Ende der Pax Americana [4] haben sich diese Konzepte allerdings als volkswirtschaftliche Falle herausgestellt. Gestellt hat die Falle #China. Ausnutzen tun es auch Länder wie der #Iran. Russland hat es mit der Energieabhängigkeit versucht, scheint aber gescheitert. Was hat das nun mit geopolitischen Risikomanagement zu tun? Die wenigsten Risiken sind politischer Natur. Meist sind es Verknüpfungen mehrerer Risiken, die sich gegenseitig verstärken (Polykrisen mit 2nd & 3rd order effects). Wer jetzt versucht, diese Krisen ausschließlich durch eine geopolitische Brille zu betrachten und zu bewerten, wird zwangsläufig scheitern. Der McKinsey-Artikel beweist es ungewollt. Er nennt u.a. folgende Treiber für geopolitische Risiken: "environmental, labour and immigration policies", Industrial policies", "AI, technology, IP and cybersecurity controls". Alles Entwicklungen, die ihren Ursprung in den Bereichen Umwelt, Gesellschaft, Wirtschaft und Technologie haben, aber eben NICHT im Politischen. Das Politische reguliert die Treiber bloß. Allerdings sollten Unternehmen nicht auf die Politik warten, bis die Risiken reguliert sind, ggfs. sogar falsch bzw. überreguliert. Sondern die Risiken sollten dort erkannt und analysiert werden, wo sie entstehen. Wenn geopolitischen Risikomanagement nicht die Lösung ist, was dann? Ganzheitliches Resilienzmanagement! Aufbau einer Matrixorganisation, die es erlaubt Risiken und Bedrohungen aus allen Bereichen zu erkennen und zu bewerten und die dann entsprechende Gegenmaßnahmen in der Organisation initiiert. Ähnliche Überlegungen gelten auch für das Themenfeld der digitalen Souveränität [5].