Post by Jakob Schlandt
Head of Policy & Markets bei HIC Consulting
Als Russland 2022 den Gashahn zudrehte, traf das Polen nicht unvorbereitet. Das Land hatte jahrelang an Unabhängigkeit und Resilienz gearbeitet. Koordiniert wird durch einen Regierungsbevollmächtigten direkt im Energieministerium. Er achtet auf Energieresilienz quer zu allen Ressorts und über Legislaturperioden hinweg. Genau um diese Art von vorausschauender Steuerung geht es in der Studie, mit der HIC Consulting vom BDEW Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. beauftragt und die heute veröffentlicht wurde. Denn auch Deutschland sollte Resilienzplanung ernst nehmen. Anlässe gibt es genug: Der Gas-Schock, die Sperrung von Hormuz, die Unberechenbarkeit der USA, immer extremere Klimabelastungen. Was sind internationale Ansätze, die Sinn ergeben? Wir haben uns sechs Länder genauer angesehen. Neben Polen sind das Finnland, Schweden, Japan, Großbritannien und Litauen. Wir haben mit Regierungsstellen und Forschung gesprochen, Krisenszenarien systematisiert und exemplarisch geprüft und Handlungsebenen strukturiert. Vorweg: Keines dieser Länder taugt als Blaupause für Deutschland. Die internationale Erfahrung war für uns deshalb weniger direkte Vorlage als ein Spiegel. Die deutschen Leerstellen liegen kaum im operativen Bereich: Bei physischer Sicherung, Cyberabwehr und Meldepflichten ist Deutschland mit KRITIS-Dachgesetz und NIS-2 ordentlich aufgestellt. Dünner wird es auf der strategischen und planenden Ebene. Wer hat die Federführung bei der Resilienzplanung, welche Stressszenarien werden angelegt, wie werden Unternehmen optimal eingebunden? Großbritannien koppelt seine Energieplanung zum Beispiel seit 2025 an eine dynamische Risikobewertung. Resilienz ist dort eine separate Planungsgröße, nicht ein Nebenprodukt. Wir wären gut beraten, das Thema entschlossen anzupacken. Hunderte Milliarden Euro fließen in die Transformation unseres Energiesystems, ohne dass wir die Resilienzdimension schlüssig und strategisch berücksichtigen. Die Studie hebt drei institutionelle Schritte besonders hervor: an erster Stelle eine solche ressortübergreifende Federführung, dazu einen verstetigten Resilienzdialog und eine nationale Resilienzstrategie. Damit wäre – in erster Linie top-down – ein Anfang gemacht. Exkurse, die nicht auf Deutschland übertragbar sein müssen, gibt es in viele weitere Felder: Zum Beispiel energieträgerübergreifende Pflichtreserven, ein Priorisierungssystem für kritische Verbraucher und natürlich auch den EE-Ausbau als Resilienzstütze. Mein Dank gilt dem BDEW für das Vertrauen und die hervorragende und bereichernde gemeinsame Arbeit, insbesondere Kerstin Andreae, Tilman Schwencke und Dr. Elmar Stracke. Und beim HIC dem Team (Timo Hoelzmann und Florian Isselmann) sowie unserem Geschäftsführer Robert Werner, der das Thema sehr früh in unseren Fokus gebracht hat. Die Studie steht hier zum Download zur Verfügung: https://lnkd.in/g8jyba3t