Post by Irrgang Fine Arts
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Wer braucht denn sowas? Niemand, but nice to have! Vielleicht liegt genau darin das Geheimnis des Kunsthandwerks – und der Kunst überhaupt. Eine kleine dekorative Vase aus den 1920er Jahren braucht niemand zum Leben. Sie löst kein Problem, steigert keine Produktivität und macht den Alltag nicht effizienter. Und trotzdem bleibt der Blick an ihr hängen. Die beiden aus Messing gefertigten bauchigen Gefäße mit weit ausgestelltem Rand tragen die für die sogenannte Ikora-Serie typische türkisblaue Patina. Vor diesem Hintergrund erscheinen stilisierte Motive von Palmen, Inseln, Segelbooten und Wellen. Die auf Paul Haustein (1880–1944) zurückgehenden Entwürfe verzichten auf überflüssige Ornamente und setzen stattdessen auf klare Formen und grafische Kontraste. Als Mitglied der Darmstädter Künstlerkolonie auf der Mathildenhöhe gehörte Haustein zu jener Reformbewegung, die Kunst und Alltag enger miteinander verbinden wollte. In Darmstadt entwickelte der Goldschmid und Medailleur Haustein eine Formensprache, die zwischen Jugendstil und früher Moderne vermittelt – ein Gestaltungsanspruch, der auch in seinen späteren Mustern für die WMF deutlich spürbar bleibt. Die Ikora-Arbeiten der Württembergischen Metallwarenfabrik (WMF), die Haustein von 1938–40 als stellvertretender Direktor leitete, gehören heute zu den bemerkenswerten Beispielen des deutschen Art Déco. Sie entstanden in einer Zeit, in der selbst Gebrauchsgegenstände mit gestalterischem Anspruch entworfen wurden. Einige Dinge dürfen eben einfach gut gestaltet sein – und manchmal genügt das völlig. WMF Paul Haustein | Zwei 'Ikora'-Vasen | Messing | um 1929