Post by Ihsan David Khalil, MBA

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Die Treppe des Grauens. Wir befinden uns in den 1980er und frühen 1990er Jahren. In einer herrschaftlichen Villa bei Frankfurt residierte der einst erfolgreichste und zugleich gefürchtetste Immobilienmogul Deutschlands: 👉Dr. Jürgen Schneider. In seinem Haus befand sich eine riesige, geschwungene Treppe, die zu seinem Büro führte. Eigentlich nichts Außergewöhnliches. Außer ihrer Funktion. Vor dieser Treppe stand ein einfacher Holzstuhl. Nicht besonders bequem, aber genau das war der Punkt. Hier mussten die Banker warten. Und sie warteten. Direktoren. Bereichsleiter. Entscheider großer Banken mit Vollmachten über Hunderte Millionen D-Mark. Sie saßen auf diesem einfachen Holzstuhl und hofften auf ihre Audienz. Doch Schneider ließ sich Zeit. Viel Zeit. So viel Zeit, bis die Herren langsam mürbe wurden. Irgendwann erschien er oben auf der Treppe. Von dort blickte er auf seine Besucher herab, ließ den Moment wirken und winkte schließlich einen von ihnen nach oben. Was Schneider hier inszenierte, war Verhandlungspsychologie auf höchstem Niveau. Wer lange warten muss, verliert nicht zwangsläufig das Gespräch, aber den Rahmen. Am Anfang arbeitet das Gehirn noch ruhig: „Ich bin hier. Ich habe Zeit investiert. Dieser Mann hat etwas, das ich will.“ Doch mit jeder weiteren Minute beginnen die Zweifel: 👉Was, wenn er den Deal gar nicht will? 👉Was, wenn bereits ein Wettbewerber oben sitzt? 👉Was, wenn ich diese Chance verpasse? Aus einer selbstbewussten Verhandlung wird schleichend eine Situation, in der der Besucher innerlich an Verhandlungsmacht verliert. Das Ergebnis ist bekannt: Banken stellten Jürgen Schneider Kredite von mehr als 5 Milliarden D Mark zur Verfügung, vielfach zu außergewöhnlich guten Konditionen und teilweise ohne ausreichende Sicherheiten. Darunter die Deutsche Bank, die Dresdner Bank und zahlreiche weitere Kreditinstitute. 1994 floh Schneider nach Miami. Dort wurde er verhaftet, nach Deutschland ausgeliefert und später zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe verurteilt. Doch die Treppe? Die funktioniert bis heute. Nicht als Bauwerk, sondern als Prinzip. Wer den Rahmen kontrolliert, beeinflusst das Gespräch, oft lange bevor das erste Wort gesprochen wird.

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