Post by Harm Meter

Producent televisienieuws bij Zelfstandig Ondernemer

Kolumne – Krammarkt in unserem Dorf Von Harm Meter (aus den Niederlanden) Am Donnerstag schlenderten wir über den Krammarkt in unserem Dorf. Fünf Wochen lang ist jeder Donnerstag ein kleines Fest. Die Straßen sind voller Verkaufsstände, Touristen suchen nach Schnäppchen, und der Duft von frisch gebackenem Fisch, Stroopwafeln und gebrannten Nüssen liegt wie eine warme Decke über dem Dorf. Auch Hendrikus und Gerda waren schon früh unterwegs. Nicht, weil sie unbedingt etwas kaufen mussten, sondern weil sich gefühlt das halbe Dorf dort trifft. Ein Krammarkt ist schließlich der einzige Ort, an dem man jemanden trifft, den man seit zehn Jahren nicht gesehen hat, und der dann sagt: „Man sieht dich ja auch nie mehr!“ Keine fünf Minuten später kamen Bertus und Griet, gefolgt von Gezienus und Jantje, mit Trudia im Schlepptau. Trudia verschwand sofort zwischen den Damenbekleidungsständen. Eine Viertelstunde später kam sie mit drei Taschen zurück und behauptete steif und fest, sie habe „nur mal geschaut“. Währenddessen spielte die niederländische Drehorgel unermüdlich ihre fröhlichen Melodien. „Wie ist dieses Drehorgel eigentlich entstanden?“, fragte sich Bertus. „Solange ich denken kann, gehört sie einfach dazu.“ „Früher stand an fast jeder Straßenecke eine solche Orgel“, erzählte Hendrikus. „Der Orgelmann ging mit seiner Mütze herum und sammelte ein paar Münzen ein. Aber er war nicht nur der Kassierer, sondern auch der Motor der Orgel. Er musste das Schwungrad mit der Hand gleichmäßig drehen, sonst klang die Musik, als hätte die Orgel plötzlich Schluckauf.“ „Das war noch echtes Handwerk“, nickte Bertus. „Heute übernimmt ein Elektromotor diese Arbeit“, fuhr Hendrikus fort. „Selbst die Drehorgel ist der Automatisierung nicht entkommen. Doch ganz gleich, wie modern die Technik wird – die Drehorgel gehört einfach zu den Niederlanden.“ Hendrikus hörte noch einen Moment aufmerksam zu. „Schön, oder?“, sagte er. „Ja“, antwortete Bertus, „aber sie spielt schon zum dritten Mal dasselbe Lied.“ „Stimmt“, lachte Hendrikus, „aber wir erzählen auf dem Krammarkt auch jedes Jahr dieselben Geschichten.“ Und damit hatte er vollkommen recht. Als Gerda und Griet zum dritten Mal denselben Stand besuchten und Gezienus wieder erzählte, dass sein altes Moped früher 120 Stundenkilometer fuhr – bergab, mit Rückenwind und einem kräftigen Schubs vom Nachbarn –, wusste ich es ganz genau. Ein Krammarkt dreht sich eigentlich gar nicht ums Einkaufen. Es geht ums Schauen, Plaudern, alte Geschichten hervorzuholen und so zu tun, als hätte man kein Geld ausgegeben. Währenddessen marschiert Trudia mit vier prall gefüllten Einkaufstaschen nach Hause und behauptet mit ernster Miene: „Das waren alles Schnäppchen.“ Glauben wollte ihr das niemand ... außer ihrem Freund, der die Kassenzettel zum Glück nie zu Gesicht bekommt.