Post by Hannes Harter
Dr.-Ing. | Managing Partner | Co-Founder | Sustainable Building
VW baut Zwickau zum Kreislaufwirtschaftszentrum um, 90 Millionen Euro. BMW bündelt seine Fahrzeug-Recycling-Kompetenz künftig in Wackersdorf und hat dafür eine Kooperation mit PreZero geschlossen. Beide tun das nicht, weil sie grün sein wollen. Sie tun es, weil ihre Rohstoffversorgung sonst zum Risiko wird. Die neue BDI/BCG-Studie vom Mai 2026 zeigt: Kreislaufwirtschaft ist Industriepolitik, nicht Ökologie. Die zirkuläre Wertschöpfung in Deutschland kann sich bis 2045 mehr als verdoppeln, von 60 auf bis zu 125 Milliarden Euro pro Jahr. Kumuliert bis zu 880 Milliarden Euro. Recycling kann 20 bis 40 Prozent der strategischen Rohstoffimporte ersetzen. Getragen wird das von fünf Branchen: Mobilität, Maschinenbau, Bau, Energie, Textil. Zusammen stehen sie für über 60 Prozent der industriellen Wertschöpfung. Der Bau hat darin eine Sonderrolle. Er ist der materialintensivste Sektor überhaupt, rund die Hälfte aller weltweit geförderten Rohstoffe landet in der gebauten Umwelt. Wer Materialkreisläufe ernst meint, kommt am Gebäude nicht vorbei: Rückbau statt Abriss, Wiederverwendung von Bauteilen, Materialpässe, das Gebäude als urbane Mine. Für unsere Branche verschiebt das die Prioritäten. Graue Emissionen und Rohstoffrisiko rücken vor die reine Energieeffizienz. Das Gebäude wird vom Energieobjekt zum Rohstofflager. Bleibt die Frage, wer den Materialwert hebt, der heute im Bestand verbaut ist. Wer von euch sitzt schon auf so einem Rohstofflager, ohne es bisher so zu nennen? #Kreislaufwirtschaft #Industriepolitik #ZirkuläresBauen