Post by Frank Hennemann

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Gewinnen sie, sind sie Helden. Verlieren sie, sind sie plötzlich keine Deutschen mehr. Es ist erstaunlich, wie schnell manche Menschen ihre Vorstellung davon ändern, wer zu Deutschland gehört. Solange die Nationalmannschaft gewinnt, wird gejubelt. Deutschlandfahnen werden geschwenkt, Patriotismus beschworen und Spieler wie Antonio Rüdiger, Leroy Sané, Jamal Musiala oder Karim Adeyemi als Helden gefeiert. Dann sind sie „unsere Jungs“. Dann repräsentieren sie Deutschland. Doch kaum geht ein Elfmeterschießen verloren, scheint sich für manche das Staatsangehörigkeitsrecht innerhalb weniger Minuten zu ändern. Plötzlich sind dieselben Spieler keine „richtigen Deutschen“ mehr. Dann werden Hautfarbe, Name oder familiäre Wurzeln zum Thema. Nicht die vergebenen Chancen, nicht die Taktik, nicht das Elfmeterschießen. Genau in diesem Moment entlarven sich diejenigen, die sonst am lautesten behaupten, sie würden Deutschland lieben. Denn Patriotismus, der nur gilt, solange gewonnen wird, ist kein Patriotismus. Wer Tore schießt, darf dazugehören. Wer einen Elfmeter verschießt oder Teil einer Niederlage ist, verliert nach dieser Logik seine Zugehörigkeit zum Land. Das hat mit Fußball nichts zu tun. Und erst recht nichts mit Liebe zu Deutschland. Diese Spieler tragen seit Jahren das DFB-Trikot. Sie spielen für Deutschland, stehen unter enormem Druck und haben diesem Land viele Siege beschert. Nach ihren Toren wurden sie gefeiert und dieselben Menschen, die sie heute beleidigen, haben damals laut vor dem Fernseher gejubelt. Was hat sich also geändert? Nicht die Staatsangehörigkeit der Spieler. Nicht ihre Herkunft. Nicht ihre Identität. Geändert hat sich lediglich das Ergebnis auf der Anzeigetafel. Die Niederlage ist nicht der Grund für den Hass. Sie ist nur der Vorwand. Der Rassismus war vorher schon da. Das verlorene Spiel liefert lediglich die Gelegenheit, ihn öffentlich auszuleben. Deshalb trifft es nach Niederlagen auffällig häufig genau die Spieler, die nicht in das ethnische Weltbild rechtsextremer Kreise passen. Natürlich darf man über die Leistung der Nationalmannschaft diskutieren. Über Aufstellung, Taktik, Chancenverwertung oder das Elfmeterschießen. Das gehört zum Sport. Aber einem Menschen seine deutsche Identität abzusprechen, weil seine Eltern oder Großeltern aus einem anderen Land stammen oder weil seine Hautfarbe nicht ins eigene Weltbild passt, ist keine Sportkritik. Es ist Rassismus. Vielleicht war das 3:4 gegen Paraguay sportlich die Niederlage des Abends. Die eigentliche Niederlage fand anschließend in den Kommentarspalten statt. Dort entlarvten sich wieder diejenigen, die ständig von Heimat, Vaterland und Patriotismus sprechen, deren Vorstellung von Deutschland aber offenbar nur so lange reicht, wie die Mannschaft gewinnt. Und genau das sagt am Ende viel mehr über diese Menschen aus als über die Nationalmannschaft. #niewiederistjetzt

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