Post by Florian Weyand
Reporter bei der WirtschaftsWoche | Ressort Reportage & Investigation
𝐙𝐢𝐝𝐚𝐧𝐞 𝐦𝐚𝐜𝐡𝐭 𝐝𝐞𝐧 𝐊𝐨𝐩𝐟𝐬𝐭𝐨ß - 𝐮𝐧𝐝 𝐢𝐜𝐡 𝐬𝐭𝐞𝐡𝐞 𝐚𝐧 𝐝𝐞𝐫 𝐄𝐜𝐤𝐟𝐚𝐡𝐧𝐞! Heute Abend startet die Fußball-WM - doch irgendwie ist alles anders. In den letzten Tagen blätterte ich im kicker-Sonderheft, im 11FREUNDE-Magazin. Doch #WM-Stimmung kommt nur langsam auf. Dabei habe ich mehrere Weltmeisterschaften und EM-Turniere hautnah erlebt, bin 2018 noch nach Russland geflogen. Gern denke ich an 2006 zurück. Sommermärchen. Deutschland: ein schwarz-rot-goldenes Fahnenmeer. Als Volunteer habe ich im Berliner Stadion die Fotografen betreut - während der Spiele und bei den Trainingseinheiten. Mehrere Partien sah ich von der Laufbahn (siehe Foto mit Jens Lehmann) aus. Näher dran geht eigentlich nicht. Noch heute stehen bei mir einige Andenken im Regal: Trinkflaschen von Willi Sagnol und Gerald Asamoah, eine Urkunde, eine Uhr mit Signatur von Franz Beckenbauer und meine Akkreditierungen. Noch präsenter sind die Erinnerungen an einen grandiosen Sommer. Und an den Kopfstoß von Zidane im Finale gegen Italien. Gesehen habe ich erst später im TV, wie Zidane seinen Gegenspieler niederstreckte. Als es passierte, stand ich an der Eckfahne, schaute dem Ball hinterher. Wie viele Zuschauer im Stadion war auch mir lange unklar, warum Zidane vom Platz gestellt wurde. Die Erinnerung an das laute Pfeifkonzert der französischen Fans bleibt. 2008, als ich in der Schweiz studierte, war ich bei der EM wieder dabei. In Bern sah ich drei Mal die Niederlande, die durch die Vorrunde marschierten - dann aber überraschend ausschieden. Als Hobbyfußballer war es grandios, den niederländischen Stars in der Mixex-Zone näher zu kommen, mit den Fans in der Stadt zu feiern, die Bern in eine Partyzone verwandelten ("Wij houden van Oranje"). Zehn Jahre später ging es voller Hoffnung nach Russland. Moskau war nicht mehr die Stadt, die ich vier Jahre zuvor während eines Urlaubs kennengelernt hatte. Es wirkte weltoffener, geeordneter, freundlich - wohl von angeordnet. Der Trip zum Spiel nach Sotchi, der Kroos-Freistoß kurz vor dem Abpfiff, die Begegnungen mit Fans aus aller Welt: tolle Erinnerungen. Unglaublich, was seitdem in Russland passiert ist. Und heute? Mit dem Spiel Mexiko gegen Südafrika beginnt die größte WM aller Zeiten. Ein Anpfiff, der bei mir gemischte Gefühle auslöst. Mehr Länder als üblich bekommen die Möglichkeit, ihr Land auf dem Rasen zu präsentieren. Aber ist das im Sinne des Sports? Natürlich werde ich möglichst viele Spiele wie möglich schauen. Es soll nicht respektlos klinge, schon gar nicht mit Blick auf das deutsche Abschneiden 2018 und 2022. Aber wirklich wach bleiben für Kanada gegen Katar, Ecuador gegen Curacao oder Jordanien gegen Algerien? Ich weiß nicht. Wie seht ihr das? Wie blickt ihr auf heute beginnende Weltmeisterschaft? Und stellt ihr euch nachts den Wecker?