Post by Felix von Pless

Design Director & Team Lead | Sherpa Design

Vorgestern habe ich »Backrooms« im Kino gesehen und war überrascht, wie Typografie auf subversive Art und Weise als Medium und Botschafter genutzt wurde. Erstmal: Horrorfilme sind eigentlich gar nicht so mein Ding. Es gibt aber Fälle, in denen mich das Storytelling doch reizt, mir einen gewissen Grusel anzutun. Da gehören die Filme von Jordan Peele dazu (»Get Out«, »Nope«) und jetzt war es eben »Backrooms« des gerade mal 21-jährigen Kane Parsons. Direkt im Intro überraschte mich die fast an Hieroglyphen erinnernde Titelschrift: kombiniert aus einer geometrischen Schrift, vermutlich Avenir, und einer Antiqua, Times New Roman Italic. Dieser stilistische und visuelle Kontrast, nüchterne Form trifft auf Ornament, spiegelt die Szenerie von »Backrooms« wider. Die Realität wirkt dort wie durch einen schlechten Kopierer gezogen, es bleiben nur noch Fragmente davon übrig. Für die Schrift bedeutet das, dass Formen sich doppeln und ineinander verschieben, Negativräume werden positiv. Auffallend ist, fast jede Glyphe ist anders. Das deutet darauf hin, dass kein eigener Font kreiert wurde, sondern die Worte manuell gesetzt sind. Was bleibt, ist ein Kunstobjekt: spannend anzusehen, aber nicht vollkommen durchschaubar. »Backrooms« lässt uns auch im weiteren Verlauf immer wieder durch ein typografisches »Uncanny Valley« laufen, indem es mit unseren Gewohnheiten bei Lesbarkeit und Orientierung spielt. Das zeigt mal wieder, wie maßgeblich Schrift dazu beiträgt, ob wir uns wohl fühlen – oder uns sogar Unbehagen überkommt, das tiefer sitzt als reiner Grusel. Große Empfehlung also, diesen Film zu sehen, wenn man dafür offen ist – man wird mit einer überaus tiefen Storyline belohnt. Schrift und Titelsequenz wurden von Filmograph für A24 entwickelt.

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