Post by Fabian Huber
Auslandsreporter stern
Man wird nicht Reporter, um sich eines Tages Trophäen ins Regal zu stellen, sondern weil man durch diesen Job jeden Tag die Welt ein wenig besser versteht. Als ich vor knapp drei Jahren zum stern kam, hätte ich mir nicht ausmalen können, dass ich künftig schwerpunktmäßig aus Krisengebieten berichten würde. Alles begann 2023 mit dem schrecklichen Erdbeben in der Türkei. Dann der 7. Oktober, Gaza, Syrien. Mein Leben hat sich seither dramatisch verändert. Ich bin ein nachdenklicherer Mensch geworden. Ich habe unfassbares Leid gesehen, beeindruckende Leute getroffen, viel erlebt, viel gelernt, viel gezweifelt, ja, auch viel geopfert. Und gerade deshalb bewegt es mich doch sehr, dass meine Reportage über die Familie von Hamza al-Chatib in diesem Jahr für den Peter-Scholl-Latour-Preis nominiert wurde, die größte deutsche Auszeichnung für Konflikt- und Kriegsreporter. Hamza war nur ein 13-jähriger Junge, keiner, der dem Regime von Baschar al-Assad gefährlich werden konnte. Am 25. Mai 2011 zog er mit Freunden los, um gegen die Regierung zu demonstrieren. Einen Monat später tauchte sein lebloser Körper wieder auf: aufgedunsen von all den Schlägen, übersät von Spuren der Elektroschocks. Tiefe Schnitte in den Armen, eine Kugel in der Schulter, der Penis abgetrennt. Die Schergen des Regimes hatten ihn gefoltert. Hamzas grausamer Tod war der Funke, der letztlich den syrischen Bürgerkrieg entflammte. 14 Jahre später besuchte ich Hamzas Familie im Dorf al-Dschiza, ganz im Süden Syriens. Wie würde es ihnen wohl heute gehen, jetzt, wo Assad gestürzt worden war? Die traurige Realität: Die al-Chatibs werden wohl nie Frieden finden. Zu viel haben sie erlebt. Auch Hamzas Bruder Omar fiel später dem syrischen Geheimdienst zum Opfer, verschollen in den tiefen Kellerverliesen von Saidnaya. Vater Ali erlebte den Niedergang jener Diktatur, die ihm zwei Söhne raubte, nicht mehr. Er starb drei Monate zuvor. Das Schicksal dieser Familie – es ist ein Sinnbild für all das Leid, das Millionen Syrer in den vergangenen Jahren ertragen mussten. Zehn Tage bin ich damals mit einem fantastischen Team durchs Land gereist. Mit Vedad Divovic, verantwortlich für tolle Fotos und viele Lehrstunden am Backgammon-Tisch. Mit Wassim, dem Mann für alles: Kontakte, Landeskunde, Verpflegung, Verständigung, Shishabars. Und mit unserem Fahrer Phillip, der sämtliche Checkpoints mühelos passierte, zur Sicherheit aber immer eine Pistole in einem Geheimfach seines Armaturenbretts versteckt hielt. Ohne die drei würde ich diesen Post jetzt nicht schreiben. Den Link zur nominierten Geschichte findet ihr in den Kommentaren. Plan International Deutschland e.V.