Post by Erne Knauer
Transformation | Organisationsentwicklung | Change Management | 30+ Jahre Management-, Business- & IT-Erfahrung
Manchmal steht das perfekte Motiv einfach an einer Bushaltestelle Ich wollte schon immer ein Porträt fotografieren, das an die großen Musikerporträts vergangener Jahrzehnte erinnert. Charakter, Ausstrahlung, Präsenz. Nur gab es ein Problem: Das Bild in meinem Kopf war klar. Das passende Model nicht. Also hielt ich überall die Augen offen. Beim Spazierengehen, unterwegs, im Alltag. Mit überschaubarem Erfolg. Die Blasen an meinen Füßen waren realer als die Chance, genau die Person zu finden, die ich suchte. Dann passierte es. Meine Freundin und ich waren in der Nähe von Stuttgart einkaufen. An einer Bushaltestelle sah ich plötzlich einen Mann. In diesem Moment dachte ich nur: Jackpot. Genau das Gesicht. Genau die Ausstrahlung. Meine Freundin fand die Idee, einen Fremden anzusprechen, eher peinlich. Ich nicht. Also ging ich hin. Der erste Satz war: "Sorry, I don't speak German." Großartig dachte ich, mein Englisch war damals allerdings sehr überschaubar. Also erklärte ich mit einer Mischung aus Englisch, Deutsch und viel Gestik, Mimik dass ich ihn gern porträtieren würde. Er fragte: „Hier und jetzt?“ „Nein, in meinem Studio. Wenn du Zeit und Lust hast.“ Dann kam die nächste Frage: „Was kostet mich das?“ „Nichts. Du bekommst sogar was, das Bild.“ Meine einzige Bedingung: Ich darf es auch auf meiner Webseite zeigen. Er sagte Ja. Wir tauschten Telefonnummern aus und gingen wieder unserer Wege. Eine Woche später stand er tatsächlich in meinem Studio. Zwei Stunden Fotografieren, zwei Stunden Nachbearbeitung. Perfekt. Das Ergebnis hier. Als ich ihm später den fertigen Abzug überreichte, schaute er lange darauf, bekam Tränen in die Augen und sagte: "Amazing. Thank you so much." Er erzählte mir, dass noch nie jemand ein so schönes Bild von ihm gemacht habe und umarmte mich. In diesem Moment wurde mir klar: Das eigentliche Foto entstand nicht im Studio, sondern in der Begegnung zwischen zwei Menschen, die sich vorher nicht kannten. Später fotografierte ich auch seine Familie. Es entstanden viele weitere schöner Bilder. Aber keine war mit so einer emotionalen Geschichte. Doch diese erste Begegnung hat mir am meisten gezeigt: Oft fehlen uns nicht die Möglichkeiten, sondern der Mut zum ersten Schritt. Manchmal wartet die Gelegenheit nicht im Studio. Manchmal sitzt sie einfach an einer Bushaltestelle. Meine Erkenntnis: Wenn du eine Vision hast, sei mutig. Du kannst viel mehr gewinnen, als du ursprünglich gesucht hast. Wann hat sich Mut bei euch zuletzt ausgezahlt?