Post by Erhan Aydin Yavuz
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„Wir riefen Arbeitskräfte, und es kamen Menschen.“ Dieses berühmte Zitat von Max Frisch begleitet die Debatte über Migration seit Jahrzehnten. Es erinnert uns daran, dass hinter jeder Zahl, hinter jeder Arbeitskraft, hinter jeder Herkunft immer ein Mensch steht – mit Gefühlen, Identität, Geschichte und Zugehörigkeit. Vor wenigen Tagen ist die Fußball-WM 2026 gestartet. Gestern habe ich voller Vorfreude die türkische Fahne in meinem Garten gehisst – schließlich spielte heute mein Heimatland Türkei. Leider ging das Spiel unglücklich verloren. Heute Morgen kam mein achtjähriger Sohn zu mir und fragte: „Papa, warum hängt nur die türkische Fahne? Heute spielt doch auch Deutschland.“ Kurz darauf brachte er mir seine Deutschland-Fahne. In diesem Moment wurde mir etwas bewusst: Ich habe selbst einseitig gedacht. Vielleicht sogar ein wenig egoistisch. Ich bin 38 Jahre alt. Ich wurde hier geboren. Ich bin hier aufgewachsen. Hier habe ich Freunde gefunden, meine Familie gegründet, meine Werte entwickelt und mein Leben aufgebaut. Und dennoch musste mich mein achtjähriger Sohn daran erinnern, dass auch diese Fahne zu mir gehört. Dass Deutschland mein Zuhause ist. Jetzt hängen beide Fahnen nebeneinander. Die türkische Fahne steht für meine Wurzeln. Die deutsche Fahne für mein Zuhause. Zwischen diesen beiden Fahnen gibt es keinen Widerspruch. Vielleicht ist genau das die Botschaft hinter dem Satz: „Wir riefen Arbeitskräfte, und es kamen Menschen.“ Menschen mit mehreren Geschichten. Mit mehreren Sprachen. Mit mehreren Kulturen. Und mit einem Herzen, das Platz für mehr als eine Heimat hat. Mein Sohn hat mir heute eine wichtige Lektion erteilt. Manchmal sehen Kinder die Welt viel klarer als wir Erwachsene.