Post by Elisabeth Fuchs

Psychosomatik | Mehr-Ebenen-Regulationsdiagnostik

Anerkennen, was ist, entlastet oft massiv Immer wieder kommen Menschen mit multiplen Beschwerden in meine Praxis. Viele davon haben bereits zahlreiche medizinische Untersuchungen hinter sich — und dennoch bleibt oft eine große innere Unsicherheit bestehen. Vor kurzem begleitete ich einen etwa 70-jährigen Klienten. Er berichtete über zunehmende Gangunsicherheit und Gedächtnisschwäche, die ihm vor allem unter Anforderungsdruck selbst deutlich auffielen. Die medizinische Abklärung war bereits umfangreich erfolgt: neurologische Untersuchungen, Mini-Mental-Testung, CT und MRT. Im MRT zeigte sich eine ältere Läsion im Bereich des Kleinhirns. Laut den Aufzeichnungen seiner Smartwatch — ergänzt durch Beobachtungen der Angehörigen — hatten Schrittlänge und Stabilität in den vergangenen Monaten abgenommen. Der Klient befindet sich weiterhin in neurologischer Behandlung. Eine endgültige Diagnose liegt aktuell noch nicht vor. Was mich in solchen Situationen immer wieder berührt: Nicht nur die körperlichen Symptome belasten Menschen massiv — sondern vor allem das unausgesprochene „Was könnte dahinterstecken?“. Viele Betroffene tragen diffuse Ängste in sich: Parkinson? Demenz? Schlaganfallfolgen? „Bilde ich mir das ein?“ „Wird es schlimmer?“ „Verliere ich die Kontrolle?“ Oft entsteht enorme innere Spannung dadurch, dass diese Befürchtungen keinen Raum bekommen. In der psychosomatischen Begleitung kann bereits das offene Aussprechen aller Ängste eine deutliche Entlastung bringen. Wenn Sorgen benannt werden dürfen, entsteht häufig erstmals wieder Orientierung. Körperarbeit und Regulation unterstützen zusätzlich dabei, das Nervensystem aus dem permanenten Alarmzustand zu holen. Der Körper muss dann nicht mehr ausschließlich „funktionieren“, kontrollieren oder kompensieren. Das ersetzt keine neurologische Diagnostik oder medizinische Behandlung. Aber es kann Menschen helfen, - mit mehr innerer Stabilität durch diagnostische Prozesse zu gehen, - körperliche Anspannung zu reduzieren, - Symptome differenzierter wahrzunehmen, - und wieder handlungsfähig zu werden. Manchmal beginnt Entlastung genau dort, wo nicht mehr gegen das Erlebte angekämpft wird — sondern wo anerkannt werden darf, was gerade ist. Denn Anerkennung bedeutet nicht Aufgeben. Sie schafft oft erst die Grundlage für wirksame nächste Schritte.