Post by Düzen Tekkal
Menschenrechtsaktivistin, Journalistin, Kriegsberichterstatterin, Politologin, CEO & Founderin bei GermanDream und HÁWAR.help
Wir erinnern heute an die Opfer des Pogroms in Sivas. Heute vor 23 Jahren, am 2. Juli 1993, starben im Madımak-Hotel in der türkischen Stadt Sivas 35 Menschen. Dort fand ein Kulturfestival zu Ehren des alevitisch-türkischen Dichters Pir Sultan Abdal statt. Während drinnen die Menschen friedlich mit Gesang, Musik und Poesie feierten, fand sich vor der Tür ein brüllender Mob ein, der irgendwann zur Tat schritt: Das Hotel wurde in Brand gesetzt, unter lauten „Allahu-Akbar“-Rufen. Militär und Polizei schritten nicht ein, weil Zustimmung zum Gewaltakt herrschte. Das Gift des Islamismus hatte sich in den 90er Jahren in der Türkei schon fest gesetzt. Unter den Opfern der Flammen waren solche, die zu den angesehensten KünstlerInnen der AlevitInnen in der Türkei zählten: SchriftstellerInnen, DichterInnen, MusikerInnen. Das heutige Datum hat sich auf schmerzhafte Weise in das kollektive Gedächtnis der Aleviten eingeschrieben. Bei Menschen mit Türkeibezug handelt es sich nicht zwangsläufig um „Türken“. Sondern auch um Kurd:innen, Alevit:innen oder christlichen Minderheiten wie AramäerInnen oder ArmenierInnen, die selbst von Rassismen betroffen sind. Das wird häufig ausgeblendet. Es muss aber endlich auch hierzulande gesehen werden, dass es auch innerhalb der (post-)migrantischen Communities Unterdrückung und Rassismus gibt.
Video Content