Post by Dr. Ina Schmidt
Autorin, Speakerin, Moderatorin, Angewandte Philosophie und politische Bildung
Freundschaft als Bedingung für gelingendes öffentliches Miteinander, ein vielleicht ungewohnter, aber bis in die Antike zurückreichender Gedanke in der Philosophie. Und eines der zentralen Themen Hannah Arendts. Dazu lohnt sich diese kleine, wunderbare Sammlung zu dem, was Freundschaft ist und sein kann - als geistiges Band, gelebte Erfahrung, als Grundlage dessen, was Menschen ins Gespräch bringt und darin hält und damit als besondere Form der Menschlichkeit. Zentral darin ist Hannah Arendts Rede zur Verleihung des Lessing Preises der Stadt Hamburg von 1959, in der sie mit Lessing die Freundschaft als politische Tugend von der Brüderlichkeit unterscheidet und eine hochaktuelle Gedankenwelt öffnet, die auch gegenwärtig den Geist politischer Debatten um die Idee der Freundschaft als „die Freude, die Welt miteinander zu teilen“ (S.77) sehr bereichern würde. Und wie zur Bekräftigung, dass in diesen Worten nicht nur ein Ideal des aufgeklärten Denkens, sondern eine eigene Lebensform liegen kann, lesen sich die Worte ihrer engsten Freundin Mary Mc Carthy nach ihrem Tod „Saying good bye to Hannah“ sowie die Erinnerungen Jerome Kohns an seine „Lehrerin“, die er im Namen der Studierenden 1975 zu Hannah Arendts Begräbnis teilte. Außerdem die sehr persönlichen Gedanken Alfred Kazins über die Person Arendts, ihre eigenwillige Form der Gastfreundschaft immer gerahmt von einem Überangebot an Nüssen, kandierten Früchten und Gebäck in ihrem Appartment am Morningside Drive in New York und letztlich ein Gespräch aus dem Jahr 2017 zwischen dem Herausgeber dieses wunderbaren Bandes Matthias Bormuth und Richard Bernstein, der wie Hannah Arendt an der New School in New York lehrte. Gerade im Urlaub oder in der Sommerpause mit Zeit zum Nach- und Weiterdenken eine besondere Leseempfehlung. #Sommergedanken #Freundschaft #PolitischeBildung #Dialog