Post by Dr. Blaschka & Netzwerk
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Wien, Sonntagnachmittag. Ich stehe in einem Saal, der fast 80 Meter lang ist, und lege den Kopf in den Nacken. Die Kuppel ist knapp 30 Meter über mir. Holzregale steigen so hoch hinauf, dass es Leitern braucht, um an die oberen Bände zu kommen. Über zweihunderttausend alte Bücher. Mitten im Raum vier venezianische Prachtgloben, Erd- und Himmelsgloben mit jeweils über einem Meter Durchmesser. Und in der Sonderausstellung daneben: ein Libretto von Mozart, die Hochzeit des Figaro im Original. Man wird hier einfach langsamer. Ich bin durch Zufall dort gelandet. Erst die Albertina, dann die Augustinerkirche direkt daneben, und von dort war es nur noch ein Katzensprung in den Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek. Ein paar hundert Meter, und du gehst von einer Ausstellung in eine Kirche, dann in einen Saal voller alter Bücher. Kultur nicht als Ausflugsziel, sondern als Teil des Weges. Das ist es, was mich an Wien gerade immer wieder trifft. Ein neuer Ort verändert nicht nur die Umgebung. Er verändert den Blick auf den Alltag. Und er muss nicht vom ersten Tag an perfekt organisiert sein, damit er sich trotzdem richtig anfühlt. Wann hat ein Ortswechsel zuletzt deinen Blick verändert?