Post by Iman Dousti

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1990 sagte Gary Lineker: „22 Männer jagen 90 Minuten einem Ball hinterher, am Ende gewinnen immer die Deutschen.“ Vor dem deutschen Spiel sagte er, dieses Deutschland sei eine der schwächsten Mannschaften, die er je gesehen habe. Deutschland lebe nur noch von seiner Vergangenheit. Eine treffendere Analyse hätte kaum ausgerechnet aus dem Ausland kommen können. Zwischen diesen beiden Aussagen liegt der Niedergang einer Leistungskultur. Deutschland stand von 1954 bis 2014 bei jeder Weltmeisterschaft unter den besten acht der Welt. 1954 wurde zum Symbol des Wiederaufbaus und der Wirtschaftswunderjahre. 2006 spiegelte das Sommermärchen den Optimismus eines Landes wider, das wieder an sich glaubte. Über Jahrzehnte war Deutschland nicht immer die talentierteste Mannschaft. Aber sie hatte Disziplin, Härte gegen sich selbst, Opferbereitschaft, taktische Klarheit und Persönlichkeiten, die vorangingen. 1970 gegen Italien, 1982 gegen Frankreich oder die WM 2002 stehen bis heute für genau diese Mentalität. Man hatte die Deutschen erst geschlagen, wenn sie in der Kabine waren. Das war nie nur Fußball. Fußball spiegelt eine Gesellschaft. Dieselben Tugenden machten auch Deutschland wirtschaftlich erfolgreich: gute Bildung, Ingenieure, Mittelstand, Hidden Champions und Weltmarktführer. Heute reden wir über Haltung und Wohlfühlen, aber immer weniger über Leistung und Verantwortung. Gleichzeitig feiern wir immer mehr Einser-Abiture, während Deutschland in internationalen Bildungsvergleichen zurückfällt. Wer Standards senkt, produziert keine Exzellenz. Wo Exzellenz der Gleichmachung weicht, beginnt der Abstieg. Im Fußball sieht man dieselbe Entwicklung. Aus Nationalmannschaften werden Wohlfühlräume. Aber wer übernimmt Verantwortung, wenn es nicht läuft? Wer geht voran? Paraguay hat gestern genau die Tugenden gezeigt, für die Deutschland einmal bewundert wurde: Disziplin, Laufbereitschaft, taktische Ordnung und Opferbereitschaft. Andere Nationen haben verstanden, was uns einst stark gemacht hat. Wir scheinen es vergessen zu haben. Man muss sich nur das Bild von gestern Abend ansehen. Der Bundeskanzler erklärte nach dem Ausscheiden, er sei stolz auf diese Mannschaft. An dieser Leistung gibt es nichts, worauf man stolz sein müsste. Niederlagen schönzureden macht niemanden besser. Es erinnert an Sportfeste, bei denen jedes Kind einen Pokal bekommt. Spitzenleistung entsteht so nicht. Das gilt nicht nur für den Fußball. Eine Gesellschaft, die Anpassung stärker belohnt als Leistung, bekommt irgendwann Menschen an ihre Spitze, die verwalten, moderieren und ausweichen, aber immer seltener führen. Mit Anpassung gewinnt man keine Weltmeisterschaften und baut keine Weltmarktführer. Überall fehlen inzwischen die Basics. Deutschland muss nicht zurück in die Vergangenheit, aber wieder verstehen, warum dieses Land einmal erfolgreich war: weil Leistung, Bildung, Disziplin, Freiheit, Individualismus und Verantwortung das Fundament unseres Erfolgs waren.

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