Post by Dorothee Hackenberg
Journalistin und Autorin
Er ist ein Dinosaurier - undenkbar dass Jürgen Kuttner #KI für seine Texte verwendet. Vielmehr hält er es mit Wolfgang Neuss: „Heut mach ich mir kein Abendbrot, heut mach ich mir Gedanken.“ Am Dienstag zelebrierte Kuttner als begnadeter Alleinunterhalter vor begeistertem vollbesetztem Auditorium in der Berliner Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz seinen letzten #Videoschnipselvortrag. Dieses Format, das Kuttner und sein Freund und Kollege André Meier erfunden haben und seit 30 Jahren gemeinsam mit der Dramaturgin Sabine Zielke in der Volksbühne umsetzen, ermöglicht tiefsinnige Analysen von Trivialunterhaltung genauso wie geschichtsgetränkte Aufklärung und Dekonstruktion von historischen Bilddokumenten. Die Jakobssisters in Teheran oder die weinerliche Selbstdarstellung eines RAF Terroristen - Kuttner schafft es, dass man nach einer halbstündigen, mit allerlei Exkursen gesättigten Bildanalyse einen zweiminütigen Videoschnipsel mit andern Augen sieht, wie mit Infrarot durchleuchtet, und sich gleichzeitig dabei noch großartig unterhält. Ein Zitat aus einem Schnipsel machte sich Kuttner an diesem Abend auch selbst zu eigen: „Gedanken sind wie wilde Tiere“ - ob dieser Gedankenreichtum in der Volksbühnenfamilie weitergehen kann, hat der neue Intendant Matthias #Lilienthal in der Hand. Es wäre wünschenswert, dass es noch recht viele solcher unvergesslicher Abende gibt.