Post by DENIOS
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REI 90, EI 120 oder F 90? Warum beim baulichen Brandschutz jedes Zeichen zählt. Wer ein neues Gefahrstofflager plant oder einen Sicherheitsschrank anschafft, stößt unweigerlich auf kryptische Codes wie REI 120 oder EI 90. Doch was bedeuten diese europäischen Klassifizierungen nach der Normenreihe EN 13501-1 und -2 konkret für Euren Betrieb? Hinter den Buchstaben verbirgt sich das europäisch einheitliche System zur Bewertung der Feuerwiderstandsfähigkeit von Gesamtsystemen. Die DENIOS Gefahrstoff-Fibel schlüsselt die drei entscheidenden Kriterien auf: R (Résistance = Tragfähigkeit): Die Fähigkeit des Bauteils, einer Brandbeanspruchung unter mechanischen Einwirkungen standzuhalten, ohne seine Standsicherheit zu verlieren. E (Étanchéité = Raumabschluss): Verhindert, dass Flammen oder heiße Gase auf die feuerabgewandte Seite durchdringen. I (Isolation = Wärmedämmung): Begrenzt die Wärmeübertragung. Auf der feuerabgewandten Seite darf sich die Oberfläche um nicht mehr als 140 K bzw. 180 K im Schnitt erwärmen (ΔT < 180 K), damit sich dort gelagerte Materialien nicht von selbst entzünden. Die Zahl (z. B. 30, 60, 90, 120): Gibt die exakte Dauer in Minuten an, während der alle geforderten Kriterien lückenlos erfüllt werden müssen. Achtung, planerischer Fallstrick: Ein reines EI 90 System schützt zwar vor Raumdurchbruch und Hitze, ist aber nicht tragend! Erst durch das „R“ (REI 90) wird eine Konstruktion zum zertifizierten, tragenden Brandschutzsystem für Gefahrstofflager. Der Sonderfall Deutschland: Obwohl die europäische Norm greift, ist die alte deutsche DIN 4102 („Brandverhalten von Baustoffen und Bauteilen“) in der Praxis weiterhin präsent. Da die EN 13501 in Deutschland nicht vollumfänglich harmonisiert wurde, regelt die MVVTB (Musterverwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen) die Vergleichbarkeit. Für Brandschutzlager gilt als Stand der Technik in Deutschland, Österreich und der Schweiz meist REI 90 (feuerbeständig) – während andere EU-Staaten (wie Frankreich, Spanien oder Italien) oft schon REI 120 fordern. Fazit für die Betriebsleitung: Brandschutz-Raumsysteme gelten baurechtlich als sogenannte „ungeregelte Bauprodukte“. Sie dürfen in Deutschland nur aufgestellt werden, wenn ihre Verwendbarkeit lückenlos nachgewiesen ist – z. B. durch eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung des DIBt oder eine europäische ETA-Zulassung. Welchen Brandschutz-Standard fordern Eure Sachversicherer für Eure Außenlager? Reicht bei Euch REI 90 oder müsst Ihr bereits auf REI 120 hochstufen?