Post by Claudio Valentinuzzi

Industrial Intelligence | Automation | Digital Engineering

Über Verlagerer, Relativierer und die hohe Kunst des „Ich konnte nicht, weil…“ Es gibt Menschen, die lösen Probleme. Und es gibt Menschen, die lösen sich elegant aus Problemen heraus. Man erkennt sie selten am Anfang. Sie wirken vernünftig, reflektiert, manchmal sogar besonders kooperativ. Doch sobald Verantwortung konkret wird, beginnt ein bemerkenswertes Schauspiel. Dann heisst es nicht: „Ich habe es nicht gemacht.“ Das wäre zu direkt. Es heisst: „Ich konnte es nicht machen, weil…“ Und nach diesem „weil“ öffnet sich ein ganzer Kosmos. Zu wenig Zeit. Zu wenig Informationen. Zu viele Abhängigkeiten. Falsche Prioritäten. Unklare Zuständigkeiten. Andere Personen. Frühere Entscheide. Späte Rückmeldungen. Schwierige Rahmenbedingungen. Schlechte Kommunikation. Manchmal fehlt nur noch der Hinweis auf die Erdrotation. Das Faszinierende daran ist nicht die Ausrede selbst. Jeder hat Gründe. Jeder kennt Druck. Jeder scheitert gelegentlich an Umständen. Faszinierend ist die Konsequenz, mit der manche Menschen aus jedem Ergebnis ein Umfeldproblem machen, aber nie ein eigenes Handlungsproblem. Der Verlagerer verschiebt Verantwortung. Der Relativierer verdünnt Klarheit. Und der „Ich konnte nicht weil“-Mensch baut aus Erklärungen eine Schutzmauer, hinter der nie etwas wirklich entschieden, erledigt oder getragen werden muss. Am Ende bleibt oft ein merkwürdiges Muster: Diejenigen, die liefern, müssen erklären, warum sie so direkt sind. Und diejenigen, die nicht liefern, erklären ausführlich, warum es gar nicht anders möglich war. Vielleicht ist das der eigentliche Wahnsinn: Nicht, dass Dinge schieflaufen. Das passiert und zwar überall! Sondern dass manche aus jedem Schieflaufen eine philosophische Abhandlung machen, nur um den einfachen Satz zu vermeiden: „Ich war verantwortlich. Und ich habe es nicht sauber erledigt.“ Und falls dir beim Lesen spontan jemand eingefallen ist: Keine Sorge, genau deshalb funktioniert das Muster.