Post by Clara Brahms
Klare Marke & Kommunikationsstrategie für mehr Effekt und weniger Drumherumgerede | anerkannt vom Berufsverband Text und Konzept | selbständig
Zum Freitag/Wochenende möchte ich mal wieder ein Wort hervorholen. Ich habe das einige Jahre gemacht: Pro Monat einmal im Grimm'schen Wörterbuch geblättert, ein Wort herausgesucht und seine Bedeutungen beleuchtet. Deshalb nun hier das Wort "Schauer", passend zu meiner Sehnsucht nach Abkühlung bei diesem Juni-Wetter. Der ersehnte Schauer des Regens und der leise Schauer, wenn uns Menschen etwas bewegt – beides scheint so sanft daherzukommen wie der Klang des Wortes auch. Doch viele seiner Bedeutungen sind alles andere als das. Der Schauer meinte zuerst echten Horror und echte Naturgewalt. Schauer, das waren heftige Unwetter, die Ernten vernichteten. Erdbeben wurden Schauer genannt und erschütterten. Und auch das Erzittern der Haut war ein Schauer, der tiefsitzende Ursachen haben konnte, wie Todesangst oder Pläne für ein Verbrechen. So hat der scheinbar sanfte Schauer doch immer einen wahren entsetzlichen Grund gehabt. Vielleicht kommt daher auch die Verbindung zu den Schauenden. Schauer waren schauende Menschen. Mit sinnlich-profanem Wirkungsbereich: der Schauer als Aufseher und Aufpasser. Und übersinnlich: der Schauer als Prophet. Ein schauender Mensch, der da, wo andere nicht einmal einen Grund vermuten, die ganze Wahrheit sieht. Das Grimm'sche Wörterbuch sagt: HERKUNFT UND VERWANDTSCHAFT DES WORTES IST UNSICHER