Post by Christian Morawa
Group CEO I ALCAR I AEZ DOTZ DEZENT
Social Media ist längst mehr als Posts, Likes, Memes und Ragebait. Es ist zu einer Art kritischer Infrastruktur geworden. 🌐 Doch sie wird von Tech-Konzernen aus den USA und China betrieben und gestaltet. Europa hat darauf nur begrenzten Einfluss. Ohne Zugang zu Instagram, LinkedIn, YouTube oder TikTok würden viele europäische Marketingstrategien rasch ins Wanken geraten. Denn wer diese Plattformen und ihre Algorithmen kontrolliert, entscheidet mit, wer sichtbar wird und wer nicht. Diese Abhängigkeit betrifft auch gesellschaftliche Debatten und den Jugendschutz. 🛡️ Australien hat Altersgrenzen eingeführt, auch in Europa wird darüber diskutiert. Die EU muss Plattformen gegen Hassrede, Hetze und Desinformation in die Pflicht nehmen können, unabhängig vom freiwilligen Handeln außereuropäischer Konzerne. Gerade daran zeigt sich, warum SoMe längst mehr als ein Kommunikationsraum ist: Es ist Infrastruktur, von der Unternehmen und Gesellschaft gleichermaßen abhängig sind. Infrastruktur ist für mich kein abstraktes Thema. Sie beschäftigt mich täglich. 🏭 ALCAR ist in 16 europ. Ländern aktiv und verfügt über ein europaweites Händlernetz. Ohne unsere weitgehend selbst aufgebaute und gesteuerte Infrastruktur, von Produktion über Logistik bis Vertrieb, würde unser Unternehmen stillstehen. Unsere Kommunikation läuft hingegen über SoMe-Kanäle, die wir weder besitzen noch kontrollieren. Ob wir Kunden erreichen, hängt auch von Algorithmen ab, die außerhalb der EU entwickelt werden. Oft ist ja von einem Handelsüberschuss der EU gegenüber den USA die Rede. Berücksichtigt man auch Dienstleistungen, darunter digitale, ist die transatlantische Bilanz nahezu ausgeglichen. Ein großer Teil der europ. Online-Werbebudgets fließt an wenige US-Tech-Konzerne. Die EU setzt Grenzen. ⚖️ Digital Services Act (DSA) und Digital Markets Act (DMA) schaffen Regeln für mehr Transparenz, Verantwortung und faireren Wettbewerb. Doch Regulierung und Souveränität sind zwei verschiedene Dinge. Europa baut keine Plattformen, gestaltet entscheidende Algorithmen nicht selbst und hält viele Daten nicht im eigenen Rechtsraum. Die Gründe: 🕸️ Netzwerkeffekte stärken etablierte Plattformen. 🌍 Globale Anbieter benötigen enormes Kapital. 🧩 Europas Sprach-, Medien- und Kulturräume erschweren die Skalierung. Deshalb greift die Frage „Brauchen wir ein eigenes europäisches TikTok?“ zu kurz. Entscheidend ist: Wie bleibt die EU bei Infrastruktur, Reichweite und Daten wirtschaftlich und politisch handlungsfähig? In der Debatte über die Zukunft sozialer Netzwerke geht es zunehmend um offenere Systeme, Datenportabilität und weniger Lock-in. 🔓 Wenn Nutzer Daten, Kontakte und Inhalte leichter zwischen Netzwerken mitnehmen könnten, würde das Abhängigkeiten verringern und neuen Anbietern bessere Chancen geben. Reichweite ist längst Teil unserer wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Infrastruktur. Darüber sollten wir diskutieren, bevor wir sie verlieren.