Post by Christian Brossmann

#early-screening-and-vaccination-saves-lives

Sehr geehrter Herr Bundespräsident Herr Frank Walter Steinmeier, ich mag Ihre Schrift sehr. Schöner Schwung. Kunstvoll. Ich danke Ihne sehr für Ihre Worte zur "eisernen" Hochzeit meiner Eltern Herr Wolfgang Brossmann, *24.07.1936/+06.05.2026 Frau Gertrud Brossmann, *09.10.1930/+06.06.2026. Am gestrigen Samstag den 06.06.2026 fand ich Ihren Brief im überfüllten Briefkasten am Haus meiner Eltern. Meine Mama wohnte mit 95 seit dem Tod meines Vaters Anfang Mai in einer Senioren WG im ehemaligen Klosterareal der Marianhiller Misionare in Reimlingen. Ich war auf dem Weg um hübsche Kleidung für meine gerade verstorbene Mutter aus Ihrem Haus zu holen, damit Sie mit Ihrem einen Monat zuvor vertorbenen Ehemann Ihre unendliche Reise gemeinsam bestreiten kann. Ihr Brief hat mich tiefst berührt, zumal er knapp zu spät kam. Leider. Ihre Hochzeit feierten die beiden am 07.06.1961. Mein Vater war damals 25 Jahre alt und er hatte entschieden nicht mehr in seine Heimat, die damalige DDR, zurück zu kehren bevor der eiserne Vorhang dies für Jahre verhinderte. Meine Mutter war damals 32 Jahre alt - alt für damalige Verhältnisse. 3 Jahre nach der Machtergreifung Hitlers geboren. Den sinnlosen Krieg unbeschadet überstanden. Vater früh an Parkinon verloren. Keine Kugeln oder Splitter. Aber lieber Herr Bundespräsident: die Ehe war großteils alles andere als harmonisch! Leider! Als ich 1969 zu spät für Apollo auf die Welt kam war der Frieden bereits sehr fragil und das intensivierte sich in den Jahren. Mit meinem Vater schaffte Sie den Absprung von zu Hause. Hausfrau. Mutter von 4 Kindern, einer starb bei der Geburt. Und irgendwie fehlte Ihr etwas. Ein / mehrere Löcher in der Seele. Fehlende Liebe zuhause vielleicht. Soweit ich retrospektiv aus löchrigen Erzählungen verstanden haben, holte meine Vater Sie am 07.06.1961 schliesslich ab. 8 Jahre vor Apollo 11. Die Harmonie und Liebe in Ihrer Beziehung fand sich m. M. & E. n. mehrheitlich in der Einzelfallbetrachtung und in der Distanz in den Zeiten der Trennungen. Viele, nicht besonders liebevolle Äusserungen gegeneinander. Eisen ist hart, aber oxidiert. Auch das gehört in solche Erinnerungen. Die Realität schlägt die distanzierte Betrachtung von Leben anderer beträchtlich. Aber Papier ist geduldig und postmortem prälieren die harmonischen warmen Gedanken. Zum Glück. Vielen Dank und nehmen Sie sich Zeit für meine Anliegen gegenüber der bayerischen Landesärztekammer. Ich benötige jede Hilfe.