Post by Carolin Schenuit
Geschäftsführende Vorständin bei Green Budget Germany / Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS)
Die aktuelle Aufregung um die #Ausfälle und #Störungen bei der Bahn zeigen deutlich: Die Schiene ist für zu viele Menschen und Unternehmen zu wichtig, um sie weiter nur im Krisenmodus zu verwalten. Die vielfältigen Probleme sind längst keine Einzelerscheinungen mehr, sondern Ausdruck eine strukturellen Priorisierungsproblems der Politik für eine unserer wichtigsten Mobilitätsinfrastrukturen. Letzte Woche durfte dazu ich im Rahmen des DVWG-Forums "Schienenverkehr - Bahn zwischen Anspruch und Wirklichkeit" mit Achim Stauß, Konzernsprecher (Deutsche Bahn AG), Tom Benedek Buchhold, Head of Corporate Affairs & Market Access (FlixTrain GmbH), Birgit Milius, Leiterin des Fachgebiets Bahnbetrieb und Infrastruktur (TU Berlin) diskutieren zum Thema: „Wann fährt mein Zug wieder pünktlich? Die Bahn zwischen Anspruch und Wirklichkeit“ Die Diskussion wurde aufgezeichnet, sie kann im rbb-Inforadio abgerufen werden. Es war sehr interessant, von den Praxisexpert:innen zu hören, wie klar und lange bekannt die Ursachen für die zunehmenden Probleme im Alltag auf der Schiene sind: jahrzehntelange Vernachlässigung bei Instandhaltung und Ausbau, zu wenig Flexibilität und Puffer im Netz, fehlende Weichen und Überleitstellen und zu langsame Digitalisierung. Wir sollten stattdessen in den Blick nehmen, wo wir hinwollen, damit die Menschen gerne den Zug nutzen und die Schiene ihre wichtige Rolle bei der Dekarbonisierung des Verkehrs erfüllen kann. Meine zentralen Takeaways aus der Diskussion: ❗ Die Ziele sind richtig, aber die Planung passt nicht dazu: Deutschland formuliert ambitionierte Ziele für die Schiene, plant und finanziert aber weiterhin zu stark entlang des bestehenden Verkehrssystems. 🔍 Ein Kernfehler liegt in der Planungslogik, die auf Prognose statt Zielsteuerung setzt: Verkehrsinfrastruktur sollte nicht nur danach geplant werden, welche Nachfrage prognostiziert wird, sondern danach, welches Verkehrssystem politisch erreicht werden soll. 🎯 Die Bahnkrise ist auch Ergebnis falscher politischer Rahmenbedingungen: Das Schienennetz ist überlastet, veraltet, unterfinanziert und wird gleichzeitig mit immer höheren Erwartungen konfrontiert. 💰Ohne Kostenwahrheit bleibt die Schiene strukturell benachteiligt: Auto- und Straßengüterverkehr tragen ihre gesellschaftlichen Kosten nicht vollständig. Dadurch wirken Straße und Auto künstlich günstig, zulasten von Schiene, ÖPNV und klimafreundlicher Logistik. Daraus folgt für mich ein klarer Appell: Die Schiene braucht endlich strategischen Fokus und eine klare Priorisierung im öffentlichen Investitionsrahmen. Wer Klimaziele, Mobilitätswende und wirtschaftliche Verlässlichkeit ernst nimmt, darf die Bahn nicht länger als Reparaturfall behandeln, sondern muss sie als zentrale Infrastruktur begreifen. Hier gehts zum rbb.Beitrag: https://lnkd.in/d_p7mtZQ Deutsche Verkehrswissenschaftliche Gesellschaft (DVWG) e.V. Steffen Opitz