Post by Birgit Pfefferl
Corporate Communications Expert | Praxismanagement | Certified Profiler | Doktor der Rechtswissenschaften
Wer meinen Roman – so er hoffentlich eines Tages verlegt wird – aufschlägt, wird etwas bemerken, das auf den ersten Blick nebensächlich wirkt: Jedes Kapitel beginnt mit einem Zitat einer bekannten Persönlichkeit. Zuerst dachte ich, diese Zitate müssten einfach nur zur jeweiligen Hauptfigur passen. Im Laufe der Überarbeitung habe ich jedoch gemerkt, dass sie viel mehr leisten müssen. Sie sollen nämlich nicht primär den Charakter einer Figur erklären, sondern den Leser auf die zentralen Fragen und Erkenntnisse des Kapitels einstimmen. Nicht auf das, was passiert, sondern auf das, worum es eigentlich geht. Deshalb habe ich jedes Zitat noch einmal gründlich hinterfragt – und tatsächlich fast alle noch einmal verändert. Die Frage lautete: Könnte dieses Zitat auch als Überschrift über dem gesamten Kapitel stehen? Ich wünsche mir, dass der Leser am Ende eines Kapitels denkt: „Jetzt verstehe ich, warum genau dieser Satz am Anfang stand.“ Denn hinter jeder Geschichte stehen Fragen, die weit über die Handlung hinausreichen: Fragen nach Verantwortung und Freiheit, nach Liebe und Würde, nach Schuld, Menschlichkeit und dem, was uns als Menschen verbindet. So erzählt beispielsweise ein Kapitel nicht nur von Mutterliebe, sondern von der Würde jedes Lebens. Ein anderes nicht nur von Eifersucht, sondern von einer Liebe, die in Besitzdenken umschlägt. Ein weiteres nicht nur von einem Flüchtlingskind, sondern von der Erkenntnis, dass Herkunft Zukunft nicht bestimmen muss. Und wieder ein anderes nicht nur von den Wunden des Krieges, sondern davon, dass seelische Verletzungen erst heilen können, wenn sie gesehen werden. Mit der Zeit wurde mir klar, dass die Zitate selbst einen stillen zweiten Erzählstrang bilden. Sie sind keine Dekoration. Sie sind die Ouvertüre jedes Kapitels. Ein leiser Gedanke, der den Leser begleitet und sich manchmal erst erschließt, wenn die letzte Seite des Kapitels gelesen ist. #Romanprojekt #Literatur #Schreiben #HistorischerRoman #Erinnerungskultur #Autorinnenleben