Post by Bernhard Wasem

Psychotherapeut. Für das Menschliche im System.

Vielleicht müssen wir näher ran Der Praxisbär hat heute gemerkt, dass ich etwas nachdenklich war. Ich sass am Schreibtisch, machte mir ein paar Notizen, strich wieder etwas durch, schrieb neu an. Er schaute eine Weile zu, wie alte Praxisbären das eben tun. Still, aber nicht ganz unbeteiligt. Dann meinte er trocken: «Du schreibst schon wieder über das Anordnungsmodell.» Ich nickte. «Und? Wird es davon besser?» Das war jetzt nicht sehr feinfühlig. Aber vermutlich nicht ganz falsch. Vielleicht ist tatsächlich nicht mehr nur die Frage, was an diesem Modell alles schiefläuft. Das wissen viele von uns längst. Vielleicht ist die wichtigere Frage inzwischen: Wo können wir uns so engagieren, dass es überhaupt etwas bewirkt? Auf Bundesebene ist es schwierig. Dort dominiert der Prämiendruck. Dort setzen die Kassen sehr stark das Framing. Und dort ist unsere Profession politisch immer noch erstaunlich wenig hörbar. Der Praxisbär kratzte sich am Ohr und sagte: «Vielleicht müsst ihr näher ran.» Vielleicht hat er recht. Die Kantone sind näher dran. Dort wird Versorgung geplant. Dort sitzen Gesundheitsdirektionen. Dort müsste man eigentlich wissen wollen, wo Wartelisten entstehen, wo Behandlungen abbrechen, wo Menschen keinen Platz finden. Vielleicht müssten wir genau dort stärker auftreten. Mit konkreten Erfahrungen. Mit Zahlen. Mit Wartelisten. Mit Fragen, die man nicht einfach freundlich ablegen kann. Nicht als Bittsteller. Sondern als Fachleute, die jeden Tag sehen, was los ist. Der Praxisbär meinte am Schluss nur: «Wenn man an der grossen Türe immer wieder abgewiesen wird, schaut man vielleicht besser, ob es irgendwo eine kleinere Türe gibt.» Ich glaube, ganz falsch liegt er damit nicht. 🧸 #Psychotherapie #Grundversorgung #Anordnungsmodell #Versorgungssicherheit #PsychischeGesundheit #KantonaleVersorgung #Gesundheitspolitik