Post by Bernd O. Engelien
Leiter Politik und Kommunikation, Vorstand Zurich Kinder- u. Jugendstiftung. Member of the Executive Committee
16.07.2021, 06:07 Uhr - diesen Zeitstempel trägt das erste Foto, mit dem ich das Unvorstellbare am Morgen danach eingefangen habe. Der Morgen danach: das war heute vor fünf Jahren, nachdem in der Nacht auf den 15. Juli 2021 Deutschland eine der schwersten Unwetterkatastrophen der Geschichte ereilte. Das Tiefdruckgebiet „Bernd“ sorgt insbesondere über der Eifel, im Ahrtal für eine dramatische Sturzflut. Häuser, Straßen und Brücken - ganze Ortschaften - werden zerstört. Menschen verlieren ihr Leben. Einen Tag später, am 16. Juli, hatte ich mich früh morgens mit Gummistiefeln, Schaufel und Besen ausgestattet, auf den Weg nach Bad Neuenahr gemacht. Ich wollte helfen. Doch in der Katastrophe, in der Vieles zu spät kam, kam ich zu früh. Ich erinnere gut, wie ich an diesem Morgen in die gespenstische Stille des Ortes eindrang. In der Katastrophennacht selber, so berichten Augenzeugen, muss es unglaublich laut gewesen sein: das Rauschen des Wassers, berstendes Holz, krachendes Metall, Alarmanlagen, Schreie. Doch jetzt Stille. Nichts. Ich passierte eine Nachtwache der Feuerwehr an der Ringener Straße und fuhr wie in Zeitlupe in einen gespenstisch wirkenden Ort - keine Bewegung, kein Licht, kein Geräusch, bis auf das Rauschen der Ahr im Hintergrund. Angesichts der erdrückenden menschenleeren Szenerie kam ich mir lächerlich vor - was würde man hier ausrichten können. Allein. Mit einem Besen? An diesem frühen Morgen war noch das Ende greifbar. Noch nicht der Neuanfang. Der wurde dank der vielen Helfenden erst in den kommenden Tagen, Wochen, Monaten und Jahren geschaffen. Bei den Betroffenen, den Hinterbliebenen und denen, die das Ausmaß der Katastrophe miterlebt und im Nachgang geholfen haben, bleiben die apokalyptischen Bilder, der Geruch nach feuchtem Schlamm und Dieselöl, das Rauschen der Wassermassen. Sie brauchen sich nicht zu erinnern. Das Erlebte ist stets präsent. Narben bleiben. Doch gut und tröstlich zu sehen, dass die Geschichte des Ahrtals weitergeht. — Schaufel und Besen hatte ich an jenem lähmenden Morgen übrigens nicht mehr eingesetzt - erst später bei verschiedenen Hilfseinsätzen mit Herz und Hand - auch gemeinsam mit vielen Zurich Kolleginnen und Kollegen. Die Kraft der Gemeinschaft beflügelt. 👉Der PodCast zum Thema: https://lnkd.in/esgEFUyU