Post by Bernd Hofmann

Energie-Effizienz-Experte für Wohn- u. Nichtwohngebäude, QM/Energieaudit bei dena | Energieeffizienz, Sanierung

iSFP und neue BEG-Förderlogik – Zielkonflikt zwischen Baupraxis und Förderung: Der individuelle Sanierungsfahrplan ist mehr als eine Auflistung förderfähiger Maßnahmen. Er soll eine technisch sinnvolle Gesamtstrategie darstellen. Die Reihenfolge richtet sich nach Gebäudezustand, Schäden, Abhängigkeiten der Gewerke, Bauphysik, Wirtschaftlichkeit und finanziellen Möglichkeiten. Typischerweise folgen auf Dach beziehungsweise oberen Gebäudeabschluss Fassade und Fenster, weitere Hüllmaßnahmen, Anlagentechnik sowie Optimierung und Einregulierung. Sie ist stets aus dem Gebäudezustand abzuleiten. Problematisch wird die neue BEG-Förderlogik: Der iSFP-Bonus wird erst ab 30.000 Euro förderfähigem Mindestinvestitionsvolumen gewährt. Kleinere, technisch sinnvolle Schritte werden damit schwächer begünstigt. Die förderrechtlich günstigste kann von der bautechnisch richtigen Reihenfolge abweichen. Beispiel: Ein Gebäude benötigt wegen vorhandener Schäden zuerst eine Dachsanierung. Wird zunächst nur ein begrenzter, technisch notwendiger Teil umgesetzt, kann dieser trotz iSFP den Bonus verfehlen. Eine spätere, größere Fassadenmaßnahme kann dagegen förderrechtlich günstiger sein, obwohl das Dach dringlicher ist. Eigentümer könnten Maßnahmen zusammenfassen, aufschieben oder anders ordnen, nur um die Förderschwelle zu erreichen. Hier kollidieren Förderlogik und Sanierungspraxis. Für Energieeffizienzexperten sind drei Ebenen zu betrachten: Was ist bautechnisch zuerst erforderlich? Was ist energetisch und wirtschaftlich sinnvoll? Welche Gestaltung ist förderrechtlich günstiger? Eine rein förderoptimierte Planung darf weder Instandsetzungen verschieben noch Schäden, Doppelarbeiten oder unwirtschaftliche Abläufe verursachen. Die Aufgabe des iSFP bleibt, eine abgestimmte Gesamtstrategie aufzuzeigen, Fehlinvestitionen zu vermeiden und eine schrittweise Sanierung zu ermöglichen. Die Förderung sollte dieser Strategie folgen – nicht umgekehrt. Für mich ist die politische Konsequenz klar: Der iSFP wird schrittweise in seiner praktischen und finanziellen Bedeutung geschwächt. Werden seine Vorteile an höhere Investitionssummen, zusätzliche Voraussetzungen und engere Förderbedingungen gebunden, verliert er für die schrittweise Sanierung kleinerer und mittlerer Wohngebäude seinen zentralen Nutzen. Für mich ist dies kein zufälliger Nebeneffekt, sondern der erkennbare Weg, den iSFP mittel- bis langfristig faktisch entbehrlich zu machen und schließlich abzuschaffen – nicht zwingend durch einen unmittelbaren Beschluss, sondern durch fortlaufende Einschränkung seiner Förderwirkung. Fazit: Die neue Förderlogik kann bautechnisch sinnvolle und förderrechtlich vorteilhafte Reihenfolgen auseinanderfallen lassen. Vorrang muss die technisch richtige, schadensfreie und wirtschaftliche Umsetzung haben. Wenn der iSFP politisch gewollt bleibt, muss seine Förderlogik die fachlich sinnvolle Sanierungsstrategie unterstützen. Andernfalls wird er Schritt für Schritt ausgehöhlt.