Post by Beate Redel
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Da steht sie. Mit Babybauch. Und tanzt auf dem Dirigentenpult mit der Leichtigkeit und Grazie einer Primaballerina. Wäre ich 16 und nicht 61 – ihr Poster hinge über meinem Bett. Aber als Joana Mallwitz so richtig bekannt wurde, hatte ich das Teenie-Alter längst hinter mir. Ich sitze in der Meistersingerhalle in Nürnberg. Sie dirigiert Mahlers Neunte Sinfonie - oft gedeutet als sein „Weltabschiedsgesang" - als Bestandsaufnahme eines Lebens zwischen Humor und Tragödie. Und meine Gedanken wandern zu ihr als bald zweifacher Mutter. Denn auch der international gefeierten Dirigentin wird nach der Geburt ihres ersten Kindes die klassische Frauen-Frage gestellt: „Wie bringen Sie das unter einen Hut – Familie und diese Karriere?" Sie reagiert mit charmanter Ungehaltenheit. Und lässt die Frage auch mal einfach offen stehen. Mir gefällt diese Reaktion. Wenn die Rahmenbedingungen passen, sollte man diese Frage wirklich nicht mehr stellen müssen. Wenn … Ich habe 3 Kinder großgezogen und ohne großes Aufsehen Beruf und Familie vereinbart. Und ich erlebe so viele Kolleginnen, die das wuppen. Nicht immer schmerzfrei – aber unsere Arbeitgeberin DATEV eG ist zurecht ein anerkannter Leuchtturm für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Franziska Hetzenecker und Lisa Jordan, die hier auf LinkedIn auch darüber schreiben, sind nur zwei von vielen Beispielen. Und trotzdem: Auch wir sind noch nicht so weit, dass diese Frage einfach überflüssig wäre. Mahlers Neunte zieht derweil weiter Bilanz über das Leben. Mallwitz treibt den Klang in den Schleudergang. Dabei fällt mir ein Beitrag von Juliane Schreiber ein: „Niemand ist hier kinderlos!" Dieser Satz wirft die Arbeitssituation von Eltern einmal neu in die Trommel. Kinder betreffen uns alle, auch wenn wir selbst keine haben. Es braucht nicht nur ein ganzes Dorf, um ein Kind großzuziehen, sondern auch ein ganzes Team: Ist ein Kind krank, fällt die betreuende Person aus – Kolleg:innen springen ein, Informationen fehlen an wichtigen Stellen, Prozesse stocken. Die Erschöpfung von Müttern (und Vätern) ist dann nichts Persönliches mehr. Sie wirkt auf Verlässlichkeit, Produktivität und Ergebnisse. Deshalb, so Juliane, gehört der Satz „Niemand ist hier kinderlos" ins Werteleitbild von Unternehmen. Julianes Beitrag verlinke ich im ersten Kommentar. Die letzten Streichertöne lösen sich in Stille auf. Und mit ihnen meine Überlegungen. Vorübergehend. Im tosenden Applaus über einen großartigen Abend.