Post by 🇺🇦 Axel Wünsch
Director Operations
Gestern hatte ich ein kleines Lehrstück darüber, was bei der Bahn funktioniert – und was nicht. Am späten Nachmittag ging es mit dem #Bahn #ICESprinter #ICE1130 von Frankfurt nach Berlin. In der App: äußerst pünktlich angekündigt. In der Realität: +5 Minuten am Frankfurter Hauptbahnhof - noch grün. Unser Wagen war der letzte im Zug. Beim Einsteigen gingen die Türen nicht auf. An der anderen Tür erneut versucht – wieder keine Chance. Also Einstieg in den nächsten Wagen und von dort zu unseren reservierten Plätzen. Nur: Die Durchgangstür zu unserem Erste-Klasse-Wagen war verschlossen. Ein Schild erklärte den Grund: „Defekte Klimaanlage“. Also strömten alle in den einzigen verbliebenen Erste-Klasse-Wagen – innerhalb kürzester Zeit komplett voll. Mein Kollege und ich haben noch zwei Plätze im Speisewagen bekommen. Dort blieben wir bis Berlin. Mit rund 15 Minuten Verspätung ging es los. Draußen 35 °C, drinnen funktionierte die Klimaanlage zunächst eher eingeschränkt. Nach etwa einer halben Stunde begann das Zugpersonal kostenlos Wasser zu verteilen. Besonders bemerkenswert: Zwei junge Kolleginnen von DB Regio, die im Zug unterwegs waren, haben sich zu erkennen gegeben und das Team aktiv unterstützt. Das war echte Kollegialität! Dann der nächste Moment: Außerplanmäßiger Halt irgendwo zwischen Frankfurt und Fulda – an einem kleinen Bahnhof. Durchsage des Zugchefs: Eine Weiche in Fahrtrichtung sei durch die Hitze beschädigt, Dauer unklar. Gleichzeitig öffnete er die Türen auf einer Seite, damit die Fahrgäste sich die Beine vertreten konnten – mit dem Hinweis auf den hohen Ausstieg. In der Situation: pragmatisch, ruhig, genau richtig. Nach gut einer Stunde ging es weiter. Die Klimaanlage konnte neu gestartet werden und lief anschließend deutlich besser. Mein Eindruck nach dieser Fahrt: Die Infrastruktur der Bahn scheint mit Extremtemperaturen – Hitze wie Kälte – noch immer an Grenzen zu stoßen. Auch bei Information und Software gibt es Luft nach oben. Besonders kurios: Fünf Minuten nach Abfahrt zeigte die Navigator-App an, dass die Zugbindung aufgehoben sei und ich mir eine andere Verbindung aussuchen könne - sehr witzig, wenn man schon im Zug sitzt und der auch noch ein Sprinter ist mit nächstem Halt in 3,5 h. Was mir aber in Erinnerung bleibt, ist etwas anderes: Nicht Technik hat diese Reise gerettet. Sondern Menschen. Das Team an Bord hat unter schwierigen Bedingungen einen richtig guten Job gemacht – mit Ruhe, Improvisation und großem Einsatz. Dafür: großes Lob!