Post by Arthur Michael Seidel

Ich baue Lern- und Veränderungsräume, die Menschen aktivieren – Community, Leadership, Data Literacy

Was kostet die Welt? Eliah liebt Flugzeuge. Dort, wo er lebt, sieht er sie hoch oben am Himmel, häufig durch ein Krankenhausfenster. Zu häufig für sein junges Leben. Und trotzdem begegnet er der Welt mit einer bewundernswerten Haltung. Kämpfen gehört für ihn dazu. Freude, Neugier und Mut genauso. Eliah liebt Fußball. Vor Kurzem war er bei den Bayern. Stolz zeigte er mir auf seinem Handy ein Selfie mit Jonathan Tah. Beide lächeln. Jetzt steht er an Tor 3 des Frankfurter Flughafens. Neben ihm Ole, mit dem er lange ein Krankenhauszimmer geteilt hat. Und natürlich seine Mutter, die ihn begleitet. Immer da. Diskret. Eine Stütze, just in case. Über meine Kollegin Sylvia Eberhardt kam der Kontakt zustande. Sie erzählte mir von Eliah und wir beschlossen, ihm einen besonderen Tag am Flughafen zu schenken. Also begann ich zu telefonieren. Menschen, die Eliah nie begegnet waren, stimmten sich untereinander ab, passten Abläufe an, suchten Wege und machten Dinge möglich. Samstagmorgen. Tor 3. Patric lädt die Jungs in seinen Follow-Me und fährt los. Richtung Vorfeld, wo die großen Flieger stehen. Cem und Ilhan bringen sie an der Sicherheitskontrolle zum Lachen. Die Feuerwehr fährt den Simba raus. Matthias und Klaus zeigen, was in ihm steckt. Kinderaugen leuchten. Die der Erwachsenen auch. Piloten winken aus dem Cockpit, Busfahrer hupen, der Getränkewagen spendiert kalte Limo. Und dann der neue Tower am Terminal 3. Erst wenige Wochen in Betrieb. Ich traue meinen Augen nicht, als wir von Jörn in Empfang genommen werden. Jörn ist Geschäftsführer der Fraport Apron Control GmbH und nimmt sich Zeit für eine persönliche Führung. Es ist Samstagmorgen. Fünfzehn Etagen über dem Vorfeld ändert sich die Perspektive. Jetzt schaut Eliah auf die Flugzeuge hinunter. Die Follow-Mes so winzig, Menschen wuselnde Spielfiguren. Am Horizont die Skyline in der gleißenden Sonne. Die Gänsehaut kommt nicht von der Klimaanlage. Und immer präsent: Eliahs Mutter. Mit Rucksack. Darin Medikamente und Hilfsmittel. Alles griffbereit. Sie hebt Eliah ins Auto und wieder hinaus, klappt den Rollstuhl auf und wieder zusammen. Immer wieder. Nah genug, um jederzeit zu helfen. Weit genug entfernt, damit Eliah diesen Tag als Eliah erleben kann. Nicht als Patient. Ich werde manchmal gefragt, warum ich mir mit solchen Aktionen zusätzliche Arbeit mache. Die Antwort ist einfach: weil es mir wichtig ist. Irgendwann wird Eliah sein Handy hervorholen. Neben dem Selfie mit Jonathan Tah werden dann Follow-Mes zu sehen sein, Flugzeuge, lächelnde Menschen, die er nicht kennt. Und die ihm trotzdem einen unvergesslichen Tag schenkten. Jemand, der an einem freien Samstag extra an den Flughafen kommt, um ein Kind glücklich zu machen. Weil es ihm wichtig ist. Jemand, der ein Blaulicht einschaltet. Weil es ihm wichtig ist. Jemand, der hupt, winkt, einfach ein Lächeln schenkt. Weil es ihm wichtig ist. Manchmal kostet ein unvergesslicher Tag kein Geld. Nur Zeit. Aufmerksamkeit. Ein Anruf.

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