Post by Andreas Fischer
Entrepreneur & confident european
Es bricht mir das Herz, dieses historische Trauerspiel um #PLAYMOBIL mitanzusehen. Jahrzehntelang stand das Siegel Made in Germany bei PLAYMOBIL für ein lebendiges Wirtschaftswunder. In Dietenhofen wurden die Träume von Millionen Kindern in Kunststoff gegossen. Doch nun ruhen die Maschinen für immer. Daß die Beschäftigten eine Woche vor der Schließung freigestellt wurden, setzt dieser Tragödie die Krone auf. Es ist der kaltschnäuzige Schlußpunkt eines systemischen Management Versagens. Blickten Hans Beck und Horst Brandstätter heute auf ihr Lebenswerk, sie würden vor Scham vergehen. Das Duo schmiedete ein Imperium aus Qualität, Innovation und tiefer Verwurzelung in der Heimat. Ich selbst durfte die Geburtsstunde dieser Legende als ganz persönliches Privileg erfahren. 1974 wohnte ich als Sechsjähriger nur eine Straße von dem Unternehmer Horst Brandstätter in Zirndorf entfernt. Seine Lebensgefährtin war die Chefsekretärin meines Vaters, das Werk lag kaum 500 Meter von uns entfernt. Ich besaß vom Start weg jedes Set, ging in der Werkstatt des Chefentwicklers Hans Becks ein und aus und erprobte exklusive Prototypen. Für mich waren Beck und Brandstätter zutiefst prägend. Geniale Ideen gepaart mit kompromisslosem unternehmerischem Mut und einem unbezwingbaren Schutzwall aus Patenten. Ein sicherer Garant für einzigartige Erfolge. Und genau das prägt und bildet übrigens bis heute das Fundament meiner eigenen Herangehensweise als Unternehmer! Damals atmete die fränkische Provinzstadt Zirndorf diesen unvergesslichen Pioniergeist. Später zog die Fertigung nach Dietenhofen weiter, doch die Seele blieb fränkisch. Und heute? Vom einstigen Glanz blieben nur Scherben. Nach dem Tod des Patrons 2015 etablierte sich das berüchtigte System Albert. Statt unternehmerischer Weitsicht regierten fortan Misstrauen und ein toxisches Klima, das visionäre Köpfe vertrieb. Während the LEGO Group triumphierte, verpennte Playmobil jeden Trend. Der Umsatzsturz von 760 auf 409 Millionen Euro ist das traurige Quittungsbuch einer Geisterfahrt. Daß Sohn Conny Brandstätter diese Demontage öffentlich anprangert, verdeutlicht die Tragik. Dieses stolze Erbe scheiterte nicht am Markt, es wurde von innen heraus zerfleischt. Die Verlagerung ins Ausland ist eine wohlfeile Ausflucht. Nicht der Standort war zu teuer, sondern das Management zu ideenlos. 350 treue Mitarbeiter zahlen nun mit ihrer Existenz den Preis. Wenn in Mittelfranken die Bänder für immer stillstehen, verliert Playmobil endgültig seine Seele und ich ein Stück meiner Kindheit. Der stolze fränkische Ritter ist vom Pferd gefallen, gemeuchelt von den eigenen Schlossherren. So einfach ist das. https://lnkd.in/eCR7-EHx