Post by Andrea Thoma-Böck
Präsidentin und Initiatorin der IZW Initiative Zukunft Wirtschaft Deutschland e.V.
„Wir dürfen die Klimaanlage nicht den Rechten überlassen.“ Ernsthaft ❓ Es gibt politische Debatten, die mehr über den Zustand einer Gesellschaft verraten als tausend Sonntagsreden. Die aktuelle Diskussion über Klimaanlagen gehört dazu. Allein diese Überschrift sollte uns zu denken geben. Seit wann haben Technologien eigentlich eine politische Gesinnung? Diese Debatte wirft eine Frage auf, die seit Jahren niemand beantworten will: Wie kann dieselbe Technologie im Winter als Klimaretter gefeiert und im Sommer plötzlich zum Problem erklärt werden? Seit Jahren erklärt uns die Politik, Wärmepumpen seien alternativlos. Dafür wurden Milliarden an Fördergeldern bereitgestellt, Gesetze verabschiedet und Hauseigentümer massiv unter Druck gesetzt. Kaum nutzt dieselbe Technologie im Sommer ihre zweite Funktion und kühlt Gebäude, beginnt plötzlich eine Grundsatzdebatte über Klimaanlagen. Dabei arbeiten beide nach demselben physikalischen Prinzip. Der einzige Unterschied: die Richtung, in die Wärme transportiert wird. Im Winter reden wir über Strommangel. Im Sommer erleben wir zeitweise Stromüberschüsse. Und ausgerechnet jetzt führen wir eine ideologische Debatte über eine Technologie, die Menschen schützen kann. Vielleicht legt uns das Wetter gerade nicht nur die Folgen der Hitze offen, sondern auch die Widersprüche unserer Energiepolitik. Erst der „Sonnenstich“ an der Strombörse. Jetzt diese Debatte. Gleichzeitig finanzieren wir über die GIZ in Entwicklungs- und Schwellenländern klimafreundliche Kühltechnik als sinnvolle Anpassung an steigende Temperaturen. Dort gilt Kühlung als vernünftiger Hitzeschutz. Im eigenen Land diskutieren wir dagegen ernsthaft darüber, ob genau diese Technologie überhaupt erwünscht ist. Dabei reden wir nicht über Luxus oder Bequemlichkeit. Wir reden über Pflegeheime, Krankenhäuser, Schulen und Kindergärten. Über Orte, an denen Hitze jedes Jahr Menschen gefährdet und an denen eine Klimaanlage Leben schützen kann. Eine Klimaanlage darf kein Privileg der Wohlhabenden sein. Wer Hitzeschutz ernst meint, muss auch dafür sorgen, dass sich Menschen den Strom dafür leisten können. Bezahlbare Energie ist deshalb immer auch Sozialpolitik. Genau deshalb geht es in dieser Debatte längst nicht mehr um Klimaanlagen. Sie macht einen Widerspruch sichtbar, der sich inzwischen durch weite Teile der Energie- und Klimapolitik zieht. Wir bewerten Technologien immer häufiger danach, ob sie ins politische Narrativ passen und immer seltener danach, ob sie Probleme lösen. Technologien haben keine politische Gesinnung. Sie sind weder links noch rechts. Sie funktionieren, oder eben nicht. Wenn dieselbe Technologie im Winter als Heilsbringer gefeiert und im Sommer zum Problem erklärt wird, dann sagt das weniger über die Technik aus als über den Zustand unserer politischen Debatten. IZW Initiative Zukunft Wirtschaft Deutschland e.V. #Energiepolitik #Technologieoffenheit #Versorgungssicherheit