Post by Andrea Laura Knoepfli
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Freitag, 15:35 Uhr. Zug von Genf nach Zürich. Ein Mann setzt sich ins Abteil neben mir. Er kommt offenbar direkt vom Wandern und trägt, nur so nebenbei, schwarze Lederhosen (muss ich immer noch verarbeiten). Für den Kontext: Wir befinden uns in der 1. Klasse. Business-Abteil. Nächster Halt: Ein zweiter Mann steigt ein. Der zweite Mann begrüsst den ersten mit einer Freude, als hätten sie gerade eine jahrelange Expedition überlebt. Keine zwei Minuten später packen die beiden ohne Zögern einen Apéro aus, der nicht "zug-untauglicher" sein könnte: Petit Arvine, Buttercracker, Käse, Weintrauben - Plättchen-Time. Inmitten einer hochkonzentrierten Geschäftswelt entsteht plötzlich ein Plausch von einer Intensität, wie ich ihn selten erlebt habe. Mein Französisch hat mich leider im Stich gelassen, um die Konversation wirklich wiederzugeben. Aber es wirkte, als hätten sich die beiden lange nicht gesehen und hätten etwas gebührend zu feiern. Das gesamte Abteil wurde von ihrer Freude und ihrer durchaus lautstarken Unterhaltung eingenommen. Ich sehe mich um und stelle fest: gestört daran hat sich eigentlich niemand. Und genau das ist symbolisch dafür, wie man in der Romandie lebt, aber auch geschäftet: Zum Mittagessen trinken sie Wein, in Zürich ein Cola Zero. In der Romandie ist man sich nicht immer ganz sicher, ob der Termin am nächsten Tag wirklich stattfindet, in Zürich kaufen wir das Sparbillet sieben Tage vorher. Und ehrlich gesagt: Mir sagen beide Welten sehr zu. Einfach mal ein bisschen loslassen tut gut. Richtig performen auch. Vielleicht sollten wir alle öfter in die Romandie fahren. Und so hänge ich meinen Gedanken nach, bis der Zug in Bern hält, die beiden aussteigen und nur noch ein kleines Meer aus Krümeln davon zeugt, dass hier eben etwas Schönes stattgefunden hat. #röstigraben #romandie #genf