Post by Amin Nemati Mour Deraz
M.A. Experte für Baudenkmalpflege | Bauleiter | Altbausanierung & Mauerwerksanierung
Vom Erbe zur Meisterschaft: Die Kontinuität der keramischen Tradition von der Ilchhaniden- bis zur Safawidenzeit. Was verbindet das fragmentierte Wissen über frühe keramische Oberflächen mit der strahlenden Pracht der Kuppeln in Isfahan? Oft betrachten wir historische Epochen in der Kunst- und Architekturgeschichte wie isolierte Inseln. Doch wer sich intensiv mit der Materialität und der statischen Logik auseinandersetzt, erkennt: Architektur ist ein lebendiger, technologisch evoluierender Prozess. Im Rahmen meiner persönlichen Auseinandersetzung mit der Architekturgeschichte – und inspiriert durch das akademische Umfeld an der Goethe-Universität – beschäftige ich mich intensiv mit den Anfängen dieser Kunst: den ersten Versuchen, Farbe und Struktur dauerhaft auf keramische Körper zu bannen. Doch der Blick weitet sich, wenn man diesen Pfad bis nach Isfahan verfolgt. Dort, unter den safawidischen Meistern, transformierte sich die einstige technische Experimentierfreude in eine präzise Ingenieurskunst. Das Blau, das in der Ilchhaniden-Zeit seinen Anfang nahm, fand in Isfahan seine ästhetische und strukturelle Vollendung. Wie mein geschätzter Kollege Matthias Wagner in unserem Austausch so treffend anmerkte, gibt es in der menschlichen Wahrnehmung Motive und Archetypen, die über Jahrtausende hinweg einen Widerhall in uns erzeugen. Diese „Bilder der Seele“ (nach C.G. Jung) sind tief in unserem kollektiven Unbewussten verankert. Wenn wir vor einer solchen Kuppel stehen, berührt uns nicht nur die handwerkliche Exzellenz, sondern auch eine archetypische Resonanz, die uns über die Zeit hinweg verbindet. Für mich als Restaurator ist diese Erkenntnis essenziell: Wir bewahren bei unserer Arbeit nicht nur „alte Steine“. Wir bewahren das kumulative Wissen darüber, wie aus einer Idee eine Technik wurde, die tief im menschlichen Empfinden wurzelt. Isfahan ist in dieser Erzählung der Beweis für die Kraft der kontinuierlichen Innovation. Die Frage, die sich mir stellt: Wie können wir dieses Erbe heute bewahren, ohne dessen ursprüngliche Logik und archetypische Tiefe zu verlieren? #Architekturgeschichte #Isfahan #Safawiden #Ilchhaniden #Restaurierung #Denkmalpflege #Handwerkskunst #GoetheUniversität #KulturellesErbe #CarlGustavJung #Archetypen #MuseumStudies