Post by Alexandra Busch

Architekturjournalistin · Host Architektourist | Ich verbinde Architektur, Bauindustrie und Immobilienwirtschaft – mit Fachtexten, Podcastformaten und strategischem Branchen-Sparring.

35 °C in Frankfurt. 🥵 Zum Glück begann mein Tag bei „Energiesprong on tour“ mit Frühstück und Klimaanlage statt Baustellenhitze. Mit Energiesprong DE beschäftige ich mich schon länger. Nach einem Interview mit Nico Gorsler und vielen weiteren Gesprächen wurde aus meiner anfänglichen Skepsis gegenüber dem seriellen Sanieren echte Neugier. „Plattenbau 2.0“? So sehe ich serielles Sanieren längst nicht mehr. Wer sich realisierte Projekte anschaut, entdeckt unterschiedliche architektonische Antworten. Erstmals konnte ich erleben, wie „Energiesprong on tour“ funktioniert: kurze fachliche Impulse, direkter Austausch mit den Projektbeteiligten und anschließend der Blick auf die Baustelle. Besichtigt haben wir die Oskar-Sommer-Straße in Frankfurt. Ein Bürogebäude von 1966 wird zu einem gemischt genutzten Haus mit 83 Wohnungen und einer ALDI-Filiale im Erdgeschoss umgebaut, aufgestockt und energetisch saniert. Vorgefertigte Holzrahmen-Fassadenelemente treffen auf individuellen Bestand, Bahnlärm, ein enges Grundstück und anspruchsvolle Logistik. Ein einziger Kran übernimmt alle Aufgaben. Florian von Seelen von AS+P Albert Speer + Partner GmbH berichtete, dass das Büro zunächst die Machbarkeit der Umnutzung untersucht hatte. Für die Umsetzung kam GOLDBECK als Generalunternehmer hinzu. Bei Aufstockung, neuer Fassade, hohen Schallschutzanforderungen und engem Baufeld brauchte es einen erfahrenen Partner. Goldbeck saniert übrigens seit 20 Jahren. Kaum jemand verbindet das Unternehmen damit. Kevin Walther von Goldbeck formulierte eine zentrale Erkenntnis des Tages so: „Serielles Sanieren ist kein Copy-and-paste.“ Der Erfolg entsteht durch Bestandsaufnahme, frühe statische Klärung, abgestimmte Schnittstellen und Vorplanung. Michael Bühler von Hammer Holzbautechnik GmbH ergänzte: Konventionelle Sanierungen bleiben häufig Einzelstücke. Serielle Sanierungen können mit jedem Projekt besser und wirtschaftlicher werden. Spannend war gestern auch die Zusammensetzung des Publikums. Viele Teilnehmende kamen aus Industrie, Gebäudetechnik, Wohnungswirtschaft und Bauunternehmen. Die Fragen gingen tief hinein in Lüftung, Materialien und Montage. Beim Mittagessen wurden Kontakte geknüpft und Projektideen besprochen. Überrascht hat mich, dass wenige Planende dabei waren. Dabei liegt hier eine zentrale Aufgabe unserer Zeit: bestehende Gebäude weiterbauen, umnutzen, aufstocken und energetisch ertüchtigen. Wer Vorurteile gegenüber Systemen abbauen möchte, sollte solche Projekte ansehen, Fragen stellen und verstehen, wie sie entstehen. Anja Knura, Geschäftsführerin Goldbeck Südwest und selbst Architektin, sagte dazu: „Gute Gestaltung und serielles Bauen schließen sich nicht aus. Denken in Systemen kann kreatives Potenzial freisetzen.“ Das erinnert mich an Neufert und an Ideen der Moderne: Standards, Raster und industrielle Prozesse waren einmal Werkzeuge, um gutes Bauen breiter zugänglich zu machen. Entscheidend bleibt, welche Qualität wir mit ihnen vervielfältigen.

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