Post by Alexa Höber
Journalistin beim NDR
Nach Recherchen zu einem Polizeieinsatz in Köln: Staatsanwaltschaft überprüft bisherigen Kurs Nach einer Recherche mit meinem Kollegen Jonas Helm überprüft die Staatsanwaltschaft Köln ihre bisherige Einschätzung zu einer Fesselung in Bauchlage durch die Kölner Polizei. Der 30-jährige Pedro Corona liegt nach einem Polizeieinsatz im April 2026 im Koma und wird nach unseren Informationen voraussichtlich nicht wieder aufwachen. Noch Mitte Juni sah die Staatsanwaltschaft auf Anfrage keine Anhaltspunkte für übermäßige, nicht vom Gesetz gedeckte Polizeigewalt. Jetzt will sie erneut prüfen, ob sie doch Ermittlungen gegen die beteiligten Polizisten aufnimmt. Ausschlaggebend dafür sind neue Erkenntnisse aus unserer Recherche für die WDR-Sendung Westpol. Danach lag Pedro Corona sehr viel länger gefesselt auf dem Bauch, als von der Staatsanwaltschaft Köln bisher öffentlich kommuniziert. Unsere Recherche basiert auf Angaben von Augenzeugen uns gegenüber, Foto- und Videoaufnahmen und auf einem bislang von der Staatsanwaltschaft nicht berücksichtigten Krankenhausbericht. Zeitgleich mit der erneuten Prüfung von Ermittlungen gegen die Polizeikräfte in Köln, beginnt vor dem Landgericht Duisburg in dieser Woche ein Prozess nach dem Tod von Ibrahima Barry. Der 31-Jährige starb 2024 in Mühlheim nach einer Fesselung in Bauchlage durch die Polizei. Die Staatsanwaltschaft wirft den fünf angeklagten Polizisten und vier Polizistinnen gemeinschaftliche gefährliche Körperverletzung vor. Sie geht davon aus, dass den neun Angeklagten aufgrund ihrer Ausbildung bewusst gewesen sein muss, dass ihre Art der Fesselung lebensgefährlich sein könne. Sie fesselten Ibrahima Barry die Hände und Beine auf dem Rücken und verbanden beide Fesselungen zusätzlich mit Kabelbindern. Die zentrale Frage, um die es im Prozess gehen wird: Haben die angeklagten Beamtinnen und Beamten fahrlässig gehandelt – oder nahmen sie die lebensgefährlichen Folgen ihres Handelns bewusst in Kauf? Zwei Fälle, die zeigen, dass intensiv aufgeklärt werden muss, warum immer wieder Menschen nach langer Fesselung in Bauchlage schwer verletzt werden oder sterben – obwohl die Risiken seit Jahrzehnten bekannt sind. https://lnkd.in/eD8XZry6 https://lnkd.in/eFEzqy-y DeZIM-Institut Eva Groß (Prof. Dr.) Joachim Häfele Arne Dreissigacker Heike Kleffner Dr. Cihan Sinanoglu