Post by Jordanis Daniilidis
Rechtlicher Betreuer | Ich schreibe hier über rechtliche Betreuung I ehrlich, authentisch, kritisch I aktuelles Buchprojekt
Wir haben nur 2,4 Stunden. Für alles. Pro Klient. Jeden Monat. Laut Statistik. Zwei Komma Vier! In der Realität sind es eher nur 2 Stunden. So viel Zeit steht einem Berufsbetreuer im Durchschnitt pro Klient und Monat zur Verfügung. 2,4 Stunden für Anträge stellen, Fristen wahren, Widersprüche formulieren, Telefonate führen, E-Mails und Berichte schreiben, Vermögensverzeichnisse und Rechnungslegungen erstellen, Stellungnahmen abgeben, Beschwerden entgegennehmen, sich beschimpfen lassen und aus der übrig gebliebenen Zeit sollen wir auch noch Klienten besuchen und empathische und zielorientierte Gespräche führen. Trotzdem landen täglich Anfragen auf unserem Schreibtisch, die dort nichts zu suchen haben. Anfragen aus Krankenhäusern, Pflegeheimen, Arztpraxen oder von Angehörigen. Wäsche bringen. Einkäufe erledigen. Waschmaschine kaputt. Beim Arzt begleiten. Mutti trinkt zu wenig. Die sozialpädagogische Arbeit der Einrichtung übernehmen. Es ließe sich endlos fortführen, seitenweise. Das gehört nicht zu unserem gesetzlichen Auftrag. Rechtliche Betreuung dient der Unterstützung unserer Klienten bei der Entscheidungsfindung, ausschließlich in den gerichtlich festgelegten Aufgabenkreisen. Kein Alltagsservice. Kein Kurierfahrer. Kein Lückenbüßer für unterbesetzte Einrichtungen. Was außerhalb dieses Auftrags liegt, ist außerdem versicherungsrechtlich nicht abgedeckt. Das sollte jeder wissen, der anruft und etwas von uns möchte. Klare Zuständigkeiten sind die Basis dafür, dass alle Beteiligten verlässlich und strukturiert zusammenarbeiten können und vor allem dafür, dass die 2,4 Stunden dort ankommen, wo sie hingehören. Beim Klienten. Text: Jordanis Daniilidis Bild: mit KI generiert, Namen und Telefonnummern sind frei erfunden